Samstag, 17. März 2018
Unsere gemeinsame Zeit in Iran (10)





DIE KRANKEN-AUSZEIT

Die OP von Ulrikes Fuß ist für 12 Uhr angesetzt. Ich nutze den 'freien' Vormittag dazu, mir unbekannte Stadtteile von Teheran zu Fuß zu erkunden und fahre gegen halb neun mit der Metro in den Süden. Die Metro ist nur mäßig besetzt. Ich nehme die Gelegenheit wahr, die fliegenden Händler in der Metro zu fotografieren. Von Strümpfen über Handy-Kabel und Handyhalter für das Auto, leuchtende Schwerter, Büstenhalter und Unterhosen etc., kann man hier auf der Fahrt unterwegs alles Mögliche erwerben.



Mein Ziel ist das Parlament. Dort fand im Juni 2017 ein Terroranschlag statt. Als Frauen verkleidete und mit einer Pistole und automatischen Waffen ausgerüstete Personen betraten das Parlamentsgebäude über den Besuchereingang, während dort eine Sitzung stattfand. Bei dem islamistischen Terroranschlag wurden mindestens 18 Menschen, darunter fünf der Attentäter, getötet und über 40 weitere verletzt.

Nach einer halben Stunde etwa steige ich an der Imam-Khomeini-Metrostation aus. Am Ausgang erwartet mich ein Gewimmel von Menschen vor einem kleinen Basar, hinter dem Stände für die Norouzfeiern aufgebaut werden.



Im Basar werden mir fremde Leckerbissen angeboten, dies ohne Kaufzwang; die Verkäufer freuen sich, wenn ich das Angebotene annehme; sie sind nicht etwa verärgert, wenn ich ihnen zu verstehen gebe, dass es gut geschmeckt hat, aber nichts kaufe.









Vorbei am großen Iman-Khomeini-Square





komme ich durch Straßen, in denen sich – wie in einem Basar – Geschäft an Geschäft reiht. Schräg davor parken zahllose Motorräder, so weit das Auge reicht.







Die niedrigen Reihenhäuser sind älter und bescheidener als im Norden.
Dazwischen ein kleiner Palastgarten.



Das Parlamentsviertel ist von einer Mauer umgeben. Die Zugänge sind bewacht. Ich zücke mein Handy und mache ein Foto von der Front des Parlamentsgebäudes, hinter dem sich der pyramidenähnliche Plenarsaal befindet.

Dann begebe ich mich zur nahegelegenen Metrostation, setze mich dort noch ein bisschen hin und schaue mir das Areal in Ruhe an. Anschließend tauche ich dann in die Metro hinab, immer noch das Handy als Wegweiser in der Hand. Unten angekommen werde ich von einem Polizisten, dieses Mal in Uniform, angesprochen, der die Fotos auf dem Handy sehen möchte.

Das erste Bild zeigt eine unverdächtige Straße, aber schon das zweite das Parlamentsgebäude. Das müsse ich löschen. Mein Bedauern darüber, dass ich das Foto von einem doch so bedeutenden Gebäude löschen müsse, lässt ihn nicht erweichen. Er klickt noch zwei weitere Fotos - wiederum mit unverdächtigen Motiven - an und entlässt mich dann mit Handschlag und guten Wünschen.

Nun geht es auf der Suche nach einem Stadtplan von Teheran mit der Metro weiter zum Theatr-Shahr-Platz, an dem im Dezember/Januar die großen Unruhen stattgefunden haben.



Auf dem Platz herrscht reges Treiben. Einsatzwagen der Polizei stehen auf dem Platz und drumherum bewaffnete Polizisten. Werden hier wieder Unruhen erwartet? Der Weltfrauentag steht bevor!



Über einen Park gelange ich in eine anliegende kleine Straße, in der sich der Kartenverlag befindet. Größtenteils sind die Karten und Stadtführer in Farsi geschrieben. Ich werde aber doch fündig mit einem Stadtplan auf Englisch.



Auf dem Rückweg hat sich auf dem Theaterplatz eine Menschenmenge versammelt, die die Aufführung von zwei Gestalten verfolgen. Bei der einen in grellroter Kleidung, rotem Magierhut und Ruß geschwärztem Gesicht handelt es sich um Hadji Firuz, bei seinem Begleiter um Amu Norouz.



Sie künden das bevorstehende Neujahrsfest Norouz an, ziehen zu Trommel-, Tamburin- und Schalmeinklängen durch die Straßen und tanzen in der Hoffnung auf einen kleinen Obulus auch zwischen den Autoschlangen hindurch.



Hier auf dem Theaterplatz kommen sie mir vor wie Hofnarren, die den Zuschauern durch ihre Darstellung vor Augen halten, dass "die da oben" das Geld an sich raffen und die Taschen vollstopfen, um sie dann aufzufordern, ihnen doch auch was zu geben, damit sie sich ihre Taschen vollstopfen können. So jedenfalls habe ich das ihrer Darstellung entnommen, die allerdings auch Spielraum für Interpretationen lässt.



Wikipedia führt weiter dazu aus, dass der Brauch auf Mir Norouz zurückgeführt wird, eine komische Figur, deren Aufgabe es war, in den letzten fünf Tagen des Jahres die Verwaltung der Stadt zu übernehmen. Dieser Fünf-Tage-König zog zur Feier des Neujahrs mit einer Gruppe von Tänzern und Sängern durch die Stadt.
Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Karneval und Fasnacht lassen grüßen.

Weiter geht es mit der Metro zum Ausgangspunkt meiner Wanderung zum Laleh-Hospital, der Vali-ye-Asr-Metrostation. Google Map führt mich durch Straßen, die einigermaßen fußgängertauglich sind und einen wunderschön angelegten Park, dem Sa'ei-Park mit Springbrunnen, Bänken und Sportgeräten, an denen sich zu dieser Tageszeit nur wenige Menschen betätigen.







Der Weg geht auf und ab, doch stets bergauf.





In einer Straße entdecke ich einen Gruß aus dem Schwarzwald, ein Fahrzeug mit einem Aufdruck von Herrenknecht.



Die Herrenknecht AG ist ein Hersteller von Tunnelvortriebsmaschinen mit Firmensitz in Schwanau-Allmannsweier in der Nähe von Lahr, bei uns in der Ortenau.

Google Map führt mich nun etwa eine halbe Stunde lang am Hemmat-Highway entlang, den ich bislang nur aus der Autoperspektive kenne; interessant allein schon deswegen, weil ich nun endlich mal Fotos aus der Fußgängerperspektive machen kann.











Nach einer dreiviertel Stunde am Highway gelange ich über das Areal der medizinischen Universität zum Krankenhaus.










Das Essen steht schon bereit, Ulrike ist jedoch noch nicht da. Ich kann zu ihr in den Aufwachraum, wo etwa weitere zehn Patienten liegen und stöhnen. Ulrike geht es den Umständen entsprechend gut. Ich bleibe bei ihr bis zum Abend, als ein Pfleger hereinkommt und, ohne mich zu fragen, ganz selbstverständlich das Besucherbett auszieht. Ich ziehe es aber vor, zu Hause zu übernachten. Zurück geht es mit dem Taxi, denn die nächste Metrostation ist eine gute Stunde Fußweg entfernt. Eine neue Metrostation ist zwar in unmittelbarer Nähe, jedoch noch nicht eröffnet. Zügig, nach nur einer halben Stunde, bin ich zu Hause.

Am folgenden Tag lege ich die Fahrt zum Krankenhaus mit dem Taxi zurück. Die Fahrt dauert heute gut anderthalb Stunden. Ich verbringe den Tag bei Ulrike. Gegen vier Uhr nachmittags breche ich auf, zu Fuß. Mit der Entfernung habe ich mich allerdings verschätzt und treffe erst gegen 22 Uhr ziemlich geschafft zu Hause ein.
Der Weg hat sich aber gelohnt. So entdecke ich den Surpreme Court Teherans



und komme an quirligen Plätzen vorbei, auf denen es zu nächtlicher Stunde von Menschen wimmelt und Straßenmusiker für die Unterhaltung sorgen.

Teheran bei Nacht - ich tauche in eine andere Welt ein. Der Ab-o-Atash Park strahlt Ruhe aus. Die Menschen lachen und unterhalten sich und genießen die Ruhe.
Über die beleuchtete Tabiat-Brücke gelange ich zum Taleghani-Park. Die bereits im früheren Blog erwähnte geschwungene Konstruktion der Tabiat-Brücke besteht aus drei verschiedenen Ebenen voller Bänke, Pflanzen, Cafés und Restaurants, die man nun in der Nacht bei der Beleuchtung erst recht entdeckt und hineinschauen kann.





Von der Brücke aus bietet sich der Blick auf Teheran bei Nacht und den Modarres-Highway, auf dem sich nun die Lichter der Fahrzeugschlangen aneinanderreihen.





Das letzte Stück des Weges lege ich mit der Metro zurück, steige an der Shariati aus und lasse mich durch die belebten Straßen Teherans treiben, bin aber zu müde, um noch irgendwo einzukehren und komme todmüde zu Hause an.

Am nächsten Tag hole ich Ulrike vom Krankenhaus ab. Die folgenden Tage ist sie gezwungen, in der Wohnung zu bleiben.


DEMONSTRATION AM WELTFRAUENTAG

Der Farsiunterricht muss ausfallen, weil unserer Sprachlehrerin sich um Freundinnen kümmern muss, die am Weltfrauentag inhaftiert wurden. Vor dem Arbeitsministerium fand eine Demonstration statt - ein für Demonstrationen wahrlich ungeeigneter Platz, an dem die Demonstranten leicht von der Polizei eingekesselt werden können. Dabei wurden Personen, die sich auch nur zufällig dort aufhielten, gleich mitverhaftet. War diese Demonstration die Ursache für die am Tag zuvor festgestellte erhöhte Polizeipräsenz am Theaterplatz? Von den fünf Freundinnen waren nach vier Tagen vier entlassen worden. Sie warten nun auf ihre Gerichtsverhandlung. Die fünfte wartet seit fünf Tagen auf ihre Entlassung.
Die Männer sitzen als 'Rädelsführer' noch in Haft. Die Frauen kommen ja nicht selbst auf die Idee zu demonstrieren... Bei den Rädelsführern muss stärker durchgegriffen werden. Übrigens, ihrer Kopftücher entledigten sich bei dieser Demo lediglich ältere Frauen!

Die Gefängnisse befinden sich zum Teil außerhalb von Teheran, so in Ghom, etwa 150 km von Teheran entfernt. In Teheran gibt es ein Gefängnis für Frauen und Männer. Wie uns berichtet wurde, soll die Situation miserabel sein. Es findet keine Versorgung der Insassen statt. Es gibt kein Wasser. Das zu Shahs-Zeiten gefürchtete Foltergefängnis Evin im Norden von Teheran soll im Vergleich dazu ein Hotel sein.
Von derlei Vorkommnissen erfährt man in der Öffentlichkeit nichts. Dazu muss man in die sozialen Netzwerke gehen. Die Kommunikation läuft allerdings weitgehend auf Farsi. Webseiten, die sich kritisch äußern, werden gesperrt.


CHAHARSHANBE SURI
(Nacht vor dem letzten Mittwoch vor Neujahr)

Ulrikes gebrochener 'Fuß'knöchel schränkt im Augenblick unsere Unternehmungslust ein. Aber das wird schon wieder.
Eine schöne Abwechslung bietet da am Morgen die Schulfeier zu Norouz (Blog 9) und am Abend eine Einladung zu einer Chaharshanbe-Suri-Feier etwa eine Stunde außerhalb von Teheran. In dieser Nacht vor dem letzten Mittwoch des Jahres wird gefeiert.

Nach einer Fahrt durch ein verwinkeltes Wohnviertel mit alten Lehmhäusern und engen Gassen landen wir vor einem schmiedeeisernen Tor.



Sesam öffnet sich und wir betreten ein Paradies, abgeschottet zu den Nachbarhäusern mit hohen Sichtblenden, die dem Gastgeber und seiner deutschen Frau ein europäisches Leben frei von islamischen Konventionen ermöglichen.



Gepflegter Rasen, ein Haus, das uns an die Südstaaten erinnert, ein großes Swimmingpool, zu dieser Jahreszeit allerdings noch nicht gefüllt.
Wir sind die ersten Gäste und nehmen am Kamin Platz.



Denn in der Nacht wird es kühl. Wir haben Gott sei Dank warme Kleidung dabei. Nach und nach treffen weitere Gäste ein, größtenteils Verwandtschaft des Gastgebers, die für eine Bereicherung des Buffets sorgt. Ansonsten werden kleine Gastgeschenke überreicht wie Shirinis (ihr erinnert euch), Gebäck-und Nussmischungen zu Kunstwerken zusammengestellt. Hierzu werden wir noch irgendwann schöne Bilder liefern. Bei Wein Marke Eigenbau und Bier stimmen wir uns ein, außer Ulrike, die wegen ihrer Medikamenteneinnahme darauf verzichten muss. Das ist hart!





Auf der Tanzfläche werden mit großen Reisigbündeln mehrere kleine Feuer angezündet, über die dann jeder springen kann, der was Schlechtes vom alten Jahr loswerden oder was Gutes für das kommende Jahr aufnehmen will (Blog 9).







Dann lädt ein DJ zum Tanzen ein. Live Musik mit einem Sänger bewegt auch die Letzten zum Tanzen. Ich höre im Refrain nur immer wieder 'michame', was frei übersetzt so viel heißt wie 'ich will dich haben' oder 'ich liebe dich', eine einfühlsame Stimme, die die Tänzer und Tänzerinnen bei Blues näher kommen lässt.








IN UNSERM VIERTEL...

Am nächsten Tag erwartet uns wieder der Alltag. Ich bin durch Ulrikes Behinderung ziemlich in Anspruch genommen und nutze die Gelegenheit, meine Farsi-Kenntnisse bei meinen täglichen Einkäufen in die Praxis umzusetzen. Die Händler erfreuen sich an meinen Fortschritten, über meine Begrüßungsworte, Glückwünsche zum neuen Jahr und Abschiedsworte. Teilweise verbessern sie meine Aussprache mit einem kleinen Lächeln. Nicht to, geschlossenes o, heiße es, sondern ta, ein offenes o. Von der ständig wechselnden Belegschaft – ich habe den Eindruck, so ein kleiner Laden verfügt über eine Belegschaft von zehn Mann und mehr – werde ich immer wieder gefragt, wo ich herkomme, dann folgen die Lobeshymnen über Joge Low (Löw), Porsche, Mercedes und Deutschland gut. Über die Vorliebe für Borussia Dortmund statt Bayern finden wir häufig Übereinstimmung. Das Deutschlandbild ist verklärt. Aleman good. Teheran not good, no work!

In einem Haushaltsladen bin ich auf der Suche nach einer Butterschale. Mit dem Besitzer komme ich ins Gespräch. Seine Tochter lebt in Hamburg, sein Cousin in Bonn. Ich werde fündig und entdecke noch eine Limettenpresse. Die von ihm angebotene Luxusausführung lehne ich ab mit dem Hinweis, dass ich keinen Porsche brauche. Er lacht und verabschiedet sich mit dem Wunsch, mich bald wieder zu sehen; wenn ich etwas bräuchte, solle ich zuerst immer bei ihm vorbeikommen.

Der Frühling, der hier mit Neujahr gefeiert wird, macht sich allenthalben bemerkbar. Es grünt und beginnt zu blühen. Die Bürgersteige werden abgespritzt und mit Stiefmütterchen und Stauden bepflanzt. Es ist so, als würde das Leben jetzt erst richtig beginnen. Das alles versuche ich Ulrike zu vermitteln, die brav zu Hause sitzt und ihren Fuß hochlegt.


NOROUZ
(Neujahr)

Heute habe ich Ulrike mit dem Rollstuhl in den Qeytarieh-Park entführt. Mit dem Snapp-Taxi lassen wir uns dorthin fahren, sitzen in der Sonne und haben den Nachmittag lesend verbracht.







Für den Abend - sozusagen Silvester - habe ich in einem Lokal in unserer Nähe einen Tisch um acht Uhr reserviert. Ich stelle mir vor, dass an den langen fein gedeckten Tischen Familien Silvester feiern.
Das neue Jahr 1397 soll um 19.45 Uhr beginnen. Wir sind schon früher da und warten gespannt, was kommt.
Das Feuerwerk um Viertel vor acht fällt schon etwas schwach aus. Ein paar vereinzelte Kracher und ein oder zwei Leuchtraketen, das war´s. Unser Lokal ist zu diesem Zeitpunkt noch völlig leer. Ich bin voll gespannter Erwartung.



Die Empfehlung des Kellners lautet - Huhn- oder Rind-Kebab mit Reis. Nun ja, das Gängige. Mehr ist aus ihm nicht rauszuholen.



Ulrike entscheidet sich für das Huhn- und ich für das Rind-Kebab. Zu trinken gibt's Cola, Sprite, Doogh und Lemon Malt. Ich probiere letzteres. Eine in diesem Punkt zumindest gute Wahl.



Alldieweil ruft der Kellner seine Schwester per Videoanruf an, sie spreche Englisch. Sie fordert uns auf, etwas auf Englisch zu sagen, da wird die Internetverbindung aber schon unterbrochen. Es bleibt ihm nur noch zu sagen, dass seine Schwester sehr schön sei.
Da kommt schon unsere Suppe. Bevor wir sie gegessen haben, folgt der Salat



und wenig später die Hauptspeise.



Nun passt ohnehin nichts mehr auf den Tisch.
Wir hatten uns eigentlich auf einen langen Abend vorbereitet. Meine Stimmung ist der Reihenfolge der Fotos zu entnehmen.

Nach einer Stunde sind wir immer noch die einzigen Gäste. Im Hintergrund läuft das Fernsehen mit der Neujahrsansprache des Staatspräsidenten und anschließend eine Übertragung aus einer Moschee.



Unsere Erwartung für diesen Abend war eine andere.



Enttäuscht, allerdings um eine Erfahrung reicher - die Iraner feiern Norouz im Kreis ihrer Familie -, verlassen wir das Lokal nach einer guten Stunde. Wir genießen den Rückweg, denn die Straßen sind leer, so dass ich den Rollstuhl ohne große Probleme auf der Straße schieben kann. Unsere Obst- und Gemüseläden lassen die Rollläden runter. Durch die in dem Viertel ruhigen nächtlichen Straßen erreichen wir unser Zuhause.

Auf unseren Handys erhalten wir die besten Wünsche des Präsidenten Rouhani zum neuen Jahr 1397 per SMS vom 20.03.2018 um 14.25 Uhr:

نوروز در تقارن با ایام میلاد امیرالمومنین(ع) بر شما مبارک باد. سالی سرشار از شادی و موفقیت برای شما آرزومندم.
حسن روحانی رییس جمهور

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Unsere gemeinsame Zeit in Iran (9)




MORGENS UM 7 WAR DIE WELT NOCH IN ORDNUNG...



Dizin - wenn man diesen Ortsnamen in der Schule nennt, weiß jeder, was gemeint ist: seit 50 Jahren fährt die Schule mit den Klassen 4 - 9 in den kleinen Skiort ca. 3 Autostunden von Teheran entfernt und in ca. 3000 m Höhe. Es ist d a s Skigebiet der Teheraner.



Natürlich war es für uns bisher nicht vorstellbar, dass man im Iran Skilaufen kann - aber man kann!!





Als ich gefragt werde, ob ich Ski laufe und Lust hätte, als Begleitperson mitzukommen, ist für uns beide klar - das geht. Beda fährt ganz privat mit und bezahlt auch alles selbst. Jede der 10 Gruppen hat mindestens einen Skilehrer und einen Lehrer. Und ich begleite eine Fast-noch-Anfänger-Gruppe - Schneeflug können sie nach ein paar Tagen jedenfalls - dachte ich...
Am Tag vor der Abreise jedenfalls passiert es. Ein kleiner Skiläufer fährt wenn auch recht langsam von hinten in mich hinein, grätscht mir in die Beine und wir verhaken uns ineinander. Das Fatale daran ist, dass die Bindung der geliehenen Skier nicht aufgeht und ich nach vorne katapultiere. Aus war's mit Dizin! Ein Schlitten bringt mich ins Hotel, wo ich gleich ärztlich behandelt werde. Am nächsten Tag ist Abreise.

Im Krankenhaus stellt man nach MRT und CT fest, dass am rechten Fuß beide Knöchel gebrochen sind und ich am folgenden Tag sofort operiert werden muss.



Nach einer dreistündigen Operation habe ich jeweils links und rechts von den beiden Knöcheln eine Metallplatte sowie eine Schraube zur Stabilisierung in meinem rechten Fuß.



Um Fragen nach dem Standard der medizinischen Versorgung vorwegzunehmen - ich habe keinen Moment daran gezweifelt, in guten Händen zu sein! Alle Maßnahmen wurden immer mit uns abgesprochen, das war für uns beruhigend.

Dank der Medikamente habe ich kaum Schmerzen. Ich habe auch keine Zeit, mich darum zu kümmern - es ist alles so neu für mich! Das Leben im Krankenzimmer ist für uns gewöhnungsbedürftig.
Angefangen von der Körperpflege übers Essen bis hin zur medizinischen Versorgung - jeden Tag lerne ich dazu.

Kaum war ich in meinem Zimmer, richtete man für Beda gleich das Besucherbett. Aber das wollten wir nicht, er schlief lieber zu Hause.



Das Tablett mit dem Essen war immer auch für ihn gerichtet - uns wurde bald klar, dass die Familie anscheinend rund um die Uhr beim Patienten weilt. Wenn Beda mal nicht da war, stellte man das Tablett trotzdem nur ins Zimmer, aber nicht an mein Bett - dafür ist die Familie da. Und gewaschen wurde ich auch nicht, wenn ich mich nicht selbst darum gekümmert hätte.



Beim Pflegepersonal gibt es eindeutige Hierarchien - die dunkelblau gekleideten Schwestern haben z.B. studiert!



Nach 3 Tagen werde ich entlassen und bewege mich nur mit dem Walker bzw. auf Krücken vorwärts.





Die nächsten drei Monate ist ans Gehen nicht zu denken!! Von der Schule bekomme ich einen Rollstuhl, den ich über die 2-wöchigen Neujahrsferien benutzen kann.



Meine erste Ausfahrt zum Bäcker mache ich in unserem relativ ruhigen Viertel.



Die Jungs vom kleinen Lebensmittelladen (ich nenne ihn unseren Edeka) nebenan erkundigen sich rührend nach meinem Befinden und nehmen richtig Anteil, während ich draußen auf Beda warte.



Feixend fragen sie, ob mich mein Mann verdroschen hat...



Bäume mitten auf dem Bürgersteig, Baustellenbarrieren oder Treppenstufen verhindern ein Durchkommen.



Also fährt Beda mich auf der Straße, und zu unserer Überraschung hupt niemand, wenngleich sie doch recht dicht an mir vorbeifahren, oder warten geduldig, wenn's nicht geht.


SALE NOW MOBARAK
(Frohes Neues Jahr)

Vor einem Jahr kam ich nach den Nowrouz-Ferien (Neujahrsferien) nach Teheran und bin nun in diesem Jahr ganz gespannt auf die Feierlichkeiten des wichtigsten Festes des iranischen Jahres.



Trotz Krücken muss ich unbedingt in die Schule, um an der Feier teilzunehmen. Es ist so anstrengend, auf nur einem Bein den Weg vom Eingang zum Aufführungsort zurückzulegen, aber es hat sich gelohnt!



Die Kinder der Klassen 1-7 haben Tänze einstudiert, führen Instrumentalstücke auf, singen traditionelle Lieder und haben viel Spaß, ihren Eltern, Lehrern und den anderen Klassen etwas vorzuführen.





Natürlich dürfen bei einem solchen Fest wichtige Bestandteile nicht fehlen. So z.B. ein Tisch mit 7 Dingen, die in Farsi mit S beginnen und 7 Tugenden symbolisieren (haft sin = 7 S):




* Samano (sieben Keimlinge der verschiedenen Getreidesorten) >
Wohltat und Segen
* Sabzi = Grünes (Weizen-, Gerste-, Linsensprossen) >Munterkeit
* Sir = Knoblauch > Schutz
* Senjed = Mehlbeere (Vogelbeere) > Saat des Lebens
* Sumaq = Gewürzsumach > Geschmack des Lebens
* Serke = Essig > Fröhlichkeit
* Sieb = Apfel > Gesundheit

Ferner kann der Haft-Sin-Tisch mit weiteren Elementen geschmückt werden:

* Sonbol, Sombol („Hyazinthen“) > Freundschaft
* Sekeh („Münze“) > Wohlstand
* Ayineh („Spiegel“) > Reinheit und Ehrlichkeit
* Scham’ („Kerze“) > Feuer
* Tochm-e morgh-e rangi („Gefärbte Eier“). Das Ei
symbolisiert Fruchtbarkeit. Die Anzahl richtet sich meistens nach der Zahl der Familienmitglieder, vier Personen = vier Eier. Sie sind den Ostereiern vergleichbar.
* Mahi ghermez („Goldfisch“) im Wasser > Glück
Alternativ werden auch Narendsch („Bitterorangen“) in eine Schüssel mit klarem Wasser gelegt.
* Ketab („Buch“) symbolisiert Weisheit; üblich sind Der Diwan von Hafis, das Schahname von Abl-Qsem-e Ferdousi oder je nach Glaubensrichtung die Avesta, der Koran, die Bibel oder die Tora.

Kurz vor dem Jahreswechsel sammelt sich die gesamte Familie um den Haft Sin und wartet betend auf den Jahreswechsel. Nach dem Jahreswechsel umarmen sich die Familienmitglieder und gratulieren einander mit folgendem Satz: sale now mobarak (Frohes Neues Jahr). Danach werden die jüngeren Familienmitglieder von den Älteren beschert, was in der Regel mit Bargeld geschieht.



Eine weitere Tradition ist das sogenannte 'Feuerspringen' in der Nacht vom letzten Dienstag zum letzten Mittwoch im iranischen Kalender.
In alten Tagen wurde ein Feuer entzündet, über das man sprang und dabei Folgendes rief: "Das Gelbe von mir an dich und das Rote von dir an mich!"
Das "Gelbe" ist alles Schlechte, Kranke und Schwache. Das soll dem Feuer übergeben werden. Das "Rote" ist Stärke, Energie, Gesundheit... Das soll das Feuer uns geben!
Mit diesem Ritual wurde das alte Jahr verabschiedet. Gereinigt und gestärkt wollte man ins neue Jahr hinübergehen. Heimliche Wünsche wurden beim Feuersprung geflüstert und gute Vorsätze gefasst.
Heute gibt es diese Tradition zwar immer noch, aber zusätzlich wird ungefähr drei Tage lang ausgiebig von Blitzknallern, Raketen und allem möglichen Feuerwerk Gebrauch gemacht. (aus: Persienreisen)

Am Dienstag, den 20. März 2018 ist es dann soweit. Das alte Jahr 1396 endet dieses Jahr genau um 19 Uhr, 45 Minuten und 28 Sekunden iranischer Zeit und es beginnt das Jahr 1397.


FADjR-THEATER-FESTIVAL

Leider zu spät erfuhren wir durch einen Bericht in der SÜDDEUTSCHEN, dass in Teheran das 36. Fadjr-Festival - eines der größten Theaterfestivals der Welt - stattgefunden hat. In diesem Jahr waren die Münchner Kammerspiele mit HAMLET zu Gast und Katja Bürkle wurde als beste Schauspielerin ausgezeichnet.
Wie gerne hätten wir diese Aufführung miterlebt!
Doch weder die deutsche Botschaft, noch das Goethe-Institut hatten durch ihre Newsletter die deutsche Gemeinde davon in Kenntnis gesetzt. Im Internet fanden wir endlich das Programm, das allerdings nur auf Farsi geschrieben war.


FOTO-AUSSTELLUNG

An einem trüben Samstag rafften wir uns abends noch auf und fuhren mit der Metro ins Zentrum zu einer bemerkenswerten Foto-Ausstellung.
Sie befasste sich kritisch mit Problemen im Iran. So wurde die Isolierung der Studenten in ihren Dormitorys (Studentenwohnheimen) mit strikter Geschlechtertrennung dargestellt, ebenso das Leben der Afghanen am Rande der Teheraner Gesellschaft, die öffentliche Hinrichtung am Galgen vor einer riesigen Menschenmenge und die Umweltzerstörung.
Bemerkenswert deshalb, weil solche Ausstellungen angemeldet und genehmigt werden müssen.
Wir trafen gerade ein, als die Fotografen ausgezeichnet wurden.

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Montag, 5. Februar 2018
Unsere gemeinsame Zeit in Iran (8)




TEHERAN VERSINKT IM SCHNEE
Während wir Anfang Januar den ersten Hauch von Winter zu spüren bekommen - einen halben Tag lang schneit es! - schmilzt die weiße Pracht schnell wieder weg und nur ein kleiner Schneemann auf dem Fußballfeld bleibt als Erinnerung.



Zwei Wochen später kommt jedoch der Winter mit solchen Massen von Schnee, dass die Schule daraufhin für zwei Tage geschlossen bleibt.



Zum einen, weil die Schulbusse nicht fahren können, zum anderen, weil der schwere Schnee die knochentrockenen Äste und selbst Bäume abbrechen bzw. umstürzen ließ. Das Servicepersonal hat jedenfalls seinen Spaß. Die Männer toben wie die Kinder im kniehohen Schnee und freuen sich. Dann gehen sie wieder ihrer Arbeit nach - aufräumen.











Die Kinder wären durch die Aufräumarbeiten auf dem Schulgelände gefährdet gewesen und so müssen sie zu Hause bleiben - sehr zum Leidwesen ihrer Eltern. Aber weil man ja auf solche Ereignisse vorbereitet sein muss, lassen sich die Hausaufgaben schnell über die Telegram-Elterngruppe (so was wie WhatsApp) versenden, damit die ausgefallenen Unterrichtstage nicht samstags oder an einem Feiertag nachgeholt werden müssen. Wir Lehrer können jedoch an diesen Tagen endlich einmal in Ruhe Dinge aufarbeiten oder mit den Kollegen ins Gespräch kommen; denn für alle Unterrichtenden ist Anwesenheitspflicht.





Schneeräumen per Wasserschlauch











Die Schneemänner bzw. -frauen gehören ein paar Tage lang zum Stadtbild und wurden nicht nur von Kindern gebaut!!!



Snowtubing auf Teherans Straßen



Die Bürgersteige wurden teilweise überhaupt nicht geräumt, so dass wir Fußgänger auf die Straße ausweichen müssen. Die Autofahrer waren jedoch 'not amused', denn wir hinderten sie am schnellen Vorwärtskommen.



Die weiße Pracht bleibt nicht lange weiß - die Abgase sorgen schon dafür - und auch nicht allzu lange liegen, doch im nahen Elbursgebirge liegt für die jährliche Skifreizeit der Schule noch genügend Schnee, so dass nächste Woche die Klassen 4 bis 9 zum Skilaufen fahren können. Ich darf als Begleitperson mitfahren. Beda fährt ganz privat mit.

SMOGALARM
Kaum sind die Schüler wieder in der Schule, heißt es wiederum 'Schule bleibt geschlossen' - dieses Mal wegen erhöhter Smogwerte.





Innerhalb von nur vier Stunden sieht man die weißen Berge von der Schule aus nicht mehr.




WANDERWOCHENENDE IN KHUZESTAN
Kurz nach Bedas Geburtstag profitieren wir wieder von einem iranischen Feiertag und haben dadurch ein verlängertes Wochenende.



Mit einer Gruppe von Kollegen und deutschen Freunden fliegen wir in den Südwesten nach Ahwaz (ach was?). Dort erwartet uns Anne, eine Deutsche, die seit über 30 Jahren dort ganz im Süden eine Araber-Pferdezucht betreibt. Sie führt nicht nur Pferdetrails übers Zagrosgebirge, sondern auch Wandergruppen.



Bei dem Tiefland der Provinz Khuzestan im Südwesten des Iran handelt es sich um die geografische Verlängerung des antiken Zweistromlandes von Euphrat und Tigris - Mesopotamien - nach Osten. Auf Grund seines Wasserreichtums zählt das Gebiet zu den ältesten und wichtigsten Kulturlandschaften Irans und der ganzen Region. Vor mehr als 6000 Jahren gab es hier bereits eine entwickelte Landwirtschaft und städtische Zivilisation. Heute begründet sich die Bedeutung dieser fruchtbaren Region außer auf Landwirtschaft auch auf die ergiebigen Vorkommen von Erdöl und Erdgas. Im Nordosten wird die Ebene von den wie eine Mauer aufragenden Ausläufern des Zagros Gebirges begrenzt. Dort liegen die Winterweiden der Nomadenstämme der Loren und Bakhtiaren, die im Frühjahr in wochenlanger Wanderung mit ihren Herden auf die Sommerweiden in den Hochtälern des Zagros Gebirges ziehen und im Herbst wieder zurück (Quelle: Infoblatt Reisebüro).

Während es in Teheran so um die 8-10° sind, erwarten uns in der südlichen Provinz 25-30°. Ausgerüstet zum Wandern sind wir erst, nachdem wir für Beda Wanderstiefel und für uns beide noch wärmende Schlafsäcke gekauft haben. Unser Gepäck wird zu den jeweiligen Übernachtungsorten in freier Natur gebracht. Wir nehmen nur einen Rucksack für die Wanderung mit.
Begleitet wird die 9-köpfige Wandergruppe von Anne und ihren beiden Helfern, die sich bestens in dieser Gegend auskennen.

Nach einer einstündigen Fahrt vom Flughafen nach Shushtar durch zuletzt extrem enge Gassen sind wir am Ziel - hier soll unser Hotel für die erste Nacht sein?







Durch einen unscheinbaren Eingang gelangen wir in den Innenhof des Traditional Hotel of Shushtar. - Whow!









Nach einem landestypischen Frühstück machen wir uns auf den Weg.



Drei Tage wandern - uns ist nicht ansatzweise klar, was uns alles erwartet. Vorab bekommt jeder anderthalb Liter Wasser als Marschgepäck mit auf den Weg.

















In den ersten Stunden geht es in Richtung Gebirge, wobei wir zweimal ein fast ausgetrocknetes Flussbett durchqueren. Anne erzählt uns, dass es eigentlich längst hätte geregnet haben müssen, weshalb die Vegetation weit zurückliegt. Bedingt auch durch den Bau von Stauseen, fließt nicht genügend Wasser ins Tal, so dass die Felder von unten nicht bewässert werden und der angebaute Weizen vertrocknet.













Die wenigen Bäume unterwegs bieten ein ideales Plätzchen für eine Pause. Anne hat für alles gesorgt, auch für die nötige Bodendecke. Während die Männer Tee kochen, zaubert sie aus ihrem Rucksack Proviant zur Stärkung. Bevor es weitergeht, füllt Anne die Trinkflaschen auf.



Weit ab von der Zivilisation können wir Frauen ohne das obligatorische Kopftuch wandern, allerdings war ein Kopfschutz durchaus zu empfehlen, genauso wie Sonnencreme LSF 30.









Mahmud erklärt uns, wie man mit dieser Distelpflanze überleben kann, denn die Stiele enthalten viel Wasser und schmecken wie Spargel.





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Wir kommen vorbei an Behausungen von Nomaden, die diese während ihres Winteraufenthaltes bewohnen, bevor sie im Frühjahr mit ihren Herden auf Sommerweiden im nahegelegenen Hochland des Zagrosgebirges ziehen.



Seit Anfang des Jahres hat es in dieser Region nicht geregnet. Die zur Zeit trockene und karge Landschaft soll, nach Angaben von Anne, bei entsprechendem Niederschlag in einem saftigen Grün erscheinen. Eine Vorahnung bekommt man davon an einigen Stellen, auf denen Weizen ausgesät wurde. Dieser müsste bereits kniehoch stehen.

Nach fast achtstündiger zügiger Wanderung, in der sich die Wandergruppe nach und nach in die Länge zieht, kommen wir zu unserer ersten Übernachtungsstätte.





Da es bald dunkel wird, müssen wir die bereits aufgebauten Zelte schnell an einen Ort unserer Wahl stellen. Hier ist zu bedenken, dass in dieser Gegend kein Klo zur Verfügung steht und man mit der Natur eins ist...

Ich bin erst einmal froh, meine Stiefel ausziehen zu können. Ich muss mir eingestehen, dass meine Stadtfüße einen solchen Marsch einfach nicht gewohnt sind. Ich merke, dass ich mir die Stiefel mindestens zwei Nummern zu klein gekauft habe. Aber der Verkäufer hätte mich ja auch mal darauf hinweisen können ;)







Während wir wandern, hat Annes Tochter unsere Sachen zum Übernachtungsort gebracht. Dort ist schon alles fürs Essen bereit. Das Lagerfeuer wird für den Tee und die Kebabspieße angezündet.

Bis das Essen auf der Decke steht, vergeht eine ganze Weile. Tee, Obst, Datteln und Nüsse machen die Runde. Es gibt Khoreshteh sabzi mit Hühnerkebab, Wildschwein und Reis. Das ist eine Art Eintopf mit grünem Gemüse und Fleischeinlagen.
Die Wartezeit vertreiben uns die Männer mit traditionellen Tänzen und die Kinder mit einem Stocktanz zur Musik aus dem Lautsprecher-Buster des Verpflegungsfahrzeuges.





Das Sitzen auf den Matten am Boden ist für mich (das soll ich nach Angaben von Beda betonen!) gewöhnungsbedürftig. Auf dem Sitzteppich müssen die Schuhe auf jeden Fall ausgezogen sein. Irgendwie weiß ich immer nicht, wo ich meine Füße lassen soll. Knien und Schneidersitz sind mögliche Alternativen, aber irgendwann ist das unbequem und ich setze/lege mich bequemer hin, was allerdings bald einen Krampf in der Hüfte nach sich zieht und ich kurz wieder aufstehen muss.



Nach dem Essen gehen wir todmüde ins Zelt.





Nach einer ruhigen Nacht - manchmal hörte man Kojoten heulen - frühstücken wir am nächsten Morgen ausgiebig - Kaffee und Tee mit heißer Milch sind Wachmacher. Die Wanderstiefel scheinen über Nacht geschrumpft zu sein, jedenfalls komme ich kaum hinein. Pflaster und Material zum Verarzten machen die Runde. Doch keiner lässt es sich anmerken, wie die Füße schmerzen und los geht es.















Das Nomadenzelt am Wegesrand ist schwer zu erkennen. Kaum sind wir dran vorbei, kommt uns ein Einheimischer mit einer Einkaufstüte entgegen, der den weiten Weg hinauf zu Fuß zurückgelegt hat.





So langsam nähern wir uns unserer letzten Zeltübernachtung. Meine Blasen und Druckstellen an beiden Füßen schmerzen so sehr, dass ich kaum mehr Schritt halten kann. Aber es hilft alles nichts - der Weg ist das Ziel! Ich freue mich auf ein Fußbad im nahen Fluss Karoun.







Zum Nachtmahl - es gibt Rinder- und Wachtelkebab mit Linsenreis - ist ein bekannter Sänger und Freund der Familie zu Gast. In die Refrains seiner Lieder, die auch auf Hochzeiten vorgetragen werden, stimmen die Gäste kräftig mit ein. Die Angehörigen des Clans haben dazu ihr Gewand angelegt. Begeistert tanzen die Kinder dazu. Die Lieder werden von Trommeln begleitet.







Die folgende Nacht ist ruhig - abgesehen von dem Gebimmel der Ziegenherden -, aber sehr kalt. Unsere Schlafsäcke halten die Kälte einigermaßen ab. Am nächsten Morgen machen wir nach dem Frühstück eine Bootsfahrt auf dem Karoun.





Eigentlich hätten wir nach Shushtar fahren und uns dort die Stadt ansehen wollen, aber man rät uns davon ab, da Unruhen befürchtet werden.











So wird es eine gemütliche Fahrt durch ein Naturschutzgebiet. Wir sehen Reiher, Kormorane und Büffelherden und winzig kleine Vögel, nicht größer als 5 cm!



Nach einer letzten Stärkung - es gibt Auberginenpürree mit Kashk (Molke) und Tomaten -, machen wir uns auf die fast zweistündige Autofahrt zum Flughafen nach Ahwaz. Da ich nicht mehr in meine Wanderstiefel komme, ziehe ich die 4 Nummern größeren Wanderstiefel von Beda an, so dass ich wenigstens laufen kann. Was sind die bequem!!! Beda selbst hatte Latschen dabei, die er für die Rückfahrt einfach anzieht. Uns kennt ja niemand... Pünktlich zum Abflug um 20.45 Uhr treffen wir in Ahwaz ein, wo uns mitgeteilt wird, dass unser Flieger erst um 0.30 Uhr starten wird. Ein Umbuchen ist nicht möglich, weil alle anderen Flüge nach Teheran ebenfalls Verspätung haben. Eine plausible Begründung wird uns nicht mitgeteilt.
Unsere Schlafsäcke blieben übrigens in Ahwaz auf dem Flughafen liegen - hoffentlich weiß der Finder sie zu schätzen.

PS: Die Füße sind äußerlich wieder hergestellt. Trotzdem brauche ich unbedingt mal einen Orthopäden - das ständige Gehen auf diesen unebenen Bürgersteigen hinterlässt so langsam seine Spuren.
Google-Maps gibt mir eine monatliche Auswertung meiner Aktivitäten - danach gehe ich pro Monat zwischen 55 und 60 km! Für mich ist das viel, weil ich in Deutschland diese Strecken eher mit dem Fahrrad zurücklege.


BEDAS iPHONE GIBT AUF?
Nachdem wir von der Wandertour zurück sind, müssen wir unbedingt Bedas Handy überprüfen lassen. Wir können uns nicht mehr erreichen, er selbst kann nicht mehr telefonieren. Irgendwas ist damit nicht in Ordnung. Es zeigt an, dass keine Netzverbindung besteht.
Wir gehen also am folgenden Wochenende in einen großen Apple Store, wo man sich allergrößte Mühe gibt, die Ursache zu finden.
Die Überprüfung ergibt, dass es an der SIM-Karte liegen müsse und schickt uns in den IranCell-Shop nebenan. Nach unentgeltlicher Auswechslung der SIM-Karte funktioniert das Handy immer noch nicht. Man schickt uns in die Reparaturwerkstatt nebenan. Dort spricht uns ein Kunde an, der auf die Reparatur seines Gerätes wartet, und bietet uns seine Hilfe an. Nachdem auch die Werkstatt keinen Defekt des Gerätes feststellen kann, vermutet der Mann eine Gesetzesänderung und fragt uns, seit wann wir im Iran sind.
Seit Anfang des Jahres soll ein Gesetz bestehen, demzufolge alle eingeführten alten Apple-Geräte bei Ankunft am Flughafen registriert werden müssen. Nach einer Karenzzeit von einem Monat werde der Empfang ausgeschaltet. Das iPhone müsse also nachträglich persönlich am Flughafen registriert werden. Für die Kosten für die Taxifahrten zum Flughafen hin und zurück sowie für die Registrierung selbst, bekomme man schon ein gutes Smartphone, allerdings "keinen Porsche" (O-Ton).

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Freitag, 26. Januar 2018
Unsere gemeinsame Zeit in Iran (7)




Was für ein Jahr liegt hinter uns! Nichts ahnend, was in diesem Jahr auf mich zukommen wird, werde ich noch im Februar neben meinem Vorsitz im Ortsverein Renchen zum Vorsitzenden des DRK-Kreisverbandes Kehl gewählt, natürlich in der Annahme, dass unser Leben so weiter gehen wird wie bisher: Ulrike, jetzt im Ruhestand Schauspielerin im Illenautheater, Deutschlehrerin ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe, Betreuung unserer uns ans Herz gewachsenen irakischen Familie; ich Vereinsarbeit im Roten Kreuz, Anwaltstätigkeit, Gartenarbeit, alljährlicher Katharinenball und zu Weihnachten Jahresabschluss der freiwilligen Feuerwehr, Kulturtage und alles, was so zum Renchner Alltagsleben gehört. Allerdings wollte ich 2017 auch kürzer treten, um mehr Zeit für gemeinsame Unternehmungen mit Ulrike zu haben. Für Ostern war eine Reise ins Piemont fest geplant, für Juni eine Reise zum Polarkreis zur Mittsommernacht, den Sommer wollten wir – nicht mehr an die Schulferien gebunden – mal zu Hause in der schönen Ortenau verbringen, im Herbst war die Bretagne fest eingeplant.

Ende Februar kam dann Ulrikes unbefangene Frage am Frühstückstisch – als ging es darum, heute Abend mal ins Theater zu gehen oder zu Freunden: „WAS HÄLTST DU DAVON, NACH TEHERAN ZU GEHEN ?!?"
Ich: Wann denn?
Sie: Im September! Ich habe aber auch noch Angebote aus Peking, Tokio, Nairobi und Erbil im Irak.
Ich: Ja, schon, Teheran finde ich ganz prickelnd. Du weißt, dass ich für einen Auslandsaufenthalt zu haben bin, aber hättest du mich an deinen Plänen nicht etwas früher teilhaben lassen können. Unsere Absprachen und Planungen für dieses Jahr waren ja etwas anders.
Sie: Es ist ja noch nichts fest. Ich kann ja alles abblasen.
Ich für mich: Soweit kommt es noch!
Nach mehreren Skype-Gesprächen liegen die Angebote von Teheran, Erbil und Tokio vor. Wir beide finden Teheran am spannendsten. Als Ulrike zusagt, kommt die Rückfrage, ob sie nicht auch schon im April kommen kann.
Ulrike zum Schulleiter: Das ist kein Problem.
Und zu mir: Bis dahin sind es ja noch 6 Wochen und zu den Sommerferien im Juli bin ich ja wieder hier und kann dir helfen; dann kannst du im September mit mir zurückfliegen.

Als Ulrike im April abfliegt, steht der Hochzeitstermin von Franzi und Ale im Juli in Monforte d´Alba schon fest. Die Fahrt zum Polarkreis zur Mittsommernacht unternehme ich, wenn auch nicht mit Ulrike, sondern mit einem guten Freund.



In Renchen werden wir nach unserer Rückkehr aus Teheran nach heutigem Stand unseren Lebensmittelpunkt nicht mehr fortsetzen. Das heißt fürs Erste: Haus vermieten mit allem, was dazu gehört - Haushalt auflösen, Inventar dezimieren, bei ebay verkaufen, an Freunde verschenken oder auf der Deponie entsorgen, Haus und Garten zur Vermietung auf Vordermann bringen und Maler bestellen, daneben Haushalt führen, waschen, kochen, putzen.



Schon das ist ein volles Programm. Hinzu kommt die Abwicklung der Kanzlei. Ich nehme keine Mandate mehr an. Es laufen aber seit drei Jahren noch vier Prozesse, die sich hinziehen und die ich wegen des Vertrauens der Mandanten zu mir persönlich zu Ende führen möchte. Einen Einfluss auf den Fortgang der Verfahren habe ich nicht. Mir wird hier erstmals bewusst, wie sich solche Verfahren manchmal hinziehen durch Richterwechsel, unsorgfältige bzw. kurzfristige Vorbereitung der Richter und Wochen vorher anberaumte Termine deswegen zwei Tage vorher aufgehoben werden müssen. Dass die Prozesse im August zu Ende gehen, ist eher unwahrscheinlich, es sei denn, die Parteien regeln das untereinander.





Nicht zuletzt laufen in Kehl die Planungen mit dem Architekten und die Verhandlungen mit der Stadt über den Neubau des DRK-Zentrums, in Appenweier findet der Spatenstich für das Katastrophenschutzzentrum statt. Ich habe dem Kreisverband versprochen, dass ich für einen geordneten Übergang bis zur Kreisversammlung im November noch im Amt bleiben werde. Dies sind Fixpunkte, nach denen sich Ulrikes Erwartungen, ich könne wenigstens in den Herbstferien für zwei Wochen nach Teheran kommen, noch realisieren ließen. Da sind allerdings auch die Prozesse, in denen Termine kurzfristig anberaumt, dann aber wieder aufgehoben werden. Dass diese Prozesse bis November ihr Ende finden könnten, wird im Laufe der Zeit immer unwahrscheinlicher. Zu viele Unwägbarkeiten, die nicht in meiner Hand liegen….

Am Mittwoch, den 3. Januar 2018, ist es dann aber endlich soweit. Meine Rot-Kreuz-Vorstandsämter im Ortsverein Renchen und im Kreisverband Kehl sind mit Wehmut niedergelegt, Kanzlei und Haushalt sind aufgelöst, das Haus an den Mieter übergeben. Eine Ära von 30 Jahren im Schwarzwald ist beendet.





Nach einer schönen Silvesterfeier und einem herzlichen Abschied bei Freunden, die unseren Haushalt beherbergen, geht es dann zur letzten Nacht in unserem Haus.



Früh morgens um 5 Uhr stehen wir nach einer unruhigen Nacht auf, räumen unsere letzten Sachen zusammen und stellen fest, dass wir Übergepäck haben. Da mein Flug später gebucht worden war, darf ich im Gegensatz zu Ulrike, statt der üblichen 30 Kilo, 50 Kilo mitnehmen. Das heißt, Gepäck aussortieren und umverteilen. Zum Schluss kommen wir auf die 80 Kilo. Das Handgepäck wird dafür umso schwerer.

Um sieben Uhr sind wir bei Edith und Bernd zum Frühstück eingeladen. Wir schaffen unsere Campingausstattung, die uns das Leben in unserem Haus bis zuletzt ermöglicht hat, in den Bus und fahren los. Der Bus wird in ihrem Carport abgestellt und ihnen die Schlüssel übergeben. Aus Sorge, dass wir wegen der kurzen Umsteigezeit von nur 6 Minuten den Anschluss verpassen, fahren sie uns zum Bahnhof nach Offenburg.

Auf der Fahrt in der Dunkelheit nach Offenburg lassen wir Erinnerungen an eine herrliche Landschaft und an viele Freundschaften Revue passieren, die unser Leben bereichert haben und die wir nicht missen möchten. Wir werden immer gerne an die Zeit im Schwarzwald zurückdenken. So fremd uns die Ortenau zunächst war, das Neue, das uns erwartet, wird um vieles fremder sein. So cool ich bislang war, die Spannung wächst. Wir erreichen den Offenburger Bahnhof gut in der Zeit. Es folgt ein letzter herzlicher Abschied. Allen Lieben, die uns in den letzten Tagen den Abschied schwer gemacht haben, hiermit noch einmal ein ganz großes Dankeschön.



Von Offenburg aus geht es zum Flughafen Frankfurt. Der Zug ist gut besetzt. Wir finden gerade noch zwei Plätze nebeneinander rechts und links vom Gang. Größer ist das Problem, in dem voll besetzten Zug unsere vier Riesenkoffer unterzubringen, die dann für manchen Platz Suchenden zu einem Hindernislauf werden.

Ich mustere mein Gegenüber. Er greift zum Handy und unterhält sich in einer arabischen Sprache. Ich bin fest davon überzeugt, das ist ein Geheimdienstmann des Iran. Die Farsi-Sprachkenntnisse von Ulrike sind schon so weit gediehen, dass sie die Sprache tatsächlich als Farsi erkennt. Na also, ich wusste es doch. Ulrike lässt sich dadurch nicht abschrecken und geht mit den üblichen Fragen woher, wohin, warum in die Offensive. Die Fragen werden in einem guten Deutsch bereitwillig beantwortet: Taxifahrer, seit 30 Jahren in Freiburg, Iran damals nicht wegen der grünen Revolution verlassen, wollte eigentlich zu Verwandten in die USA, blieb dann aber in Deutschland hängen, fliegt nach Iran, um eine Frau zu heiraten, die dann auch nach Deutschland kommen will. Bei so viel Vertrauensseligkeit knüpft sich ein Gespräch bis Frankfurt an, in dem wir schon viel über Iran erfahren. Nach der Ankunft in Frankfurt begleitet er uns auf Schritt und Tritt, weist uns den Weg zum Check-in-Schalter bis zur Sicherheitskontrolle und steht von nun ab für jede Hilfe bereit, nicht ohne uns zu fragen, ob uns dies unangenehm sei.

Der Check-in verläuft reibungslos. Unsere Waage war also gut geeicht. Weiter geht es zur Sicherheitskontrolle. Ulrike wird in der Schlange vor dem Check-in von einer netten jüngeren Frau angesprochen. Nach den Standardfragen woher, wohin, warum, begleitet uns nun auch diese fortan. Sie ist Iranerin, arbeitet in Karlsruhe in der Geriatrie und fliegt nach Teheran, um dort eine Zusatzprüfung abzulegen. Auf dem Weg zur Sicherheitskontrolle verspüre ich den Drang, ein letztes kühles Bier vor dem Abflug zu trinken. Im Schlepptau unserer beiden Begleiter machen wir uns auf dem großen Frankfurter Flughafen auf die Suche, die wir - es ist kaum zu glauben - nach einer halben Stunde ergebnislos aufgeben, um noch rechtzeitig zur Sicherheitskontrolle zu gelangen, wo sich zwischenzeitlich eine lange Schlange gebildet hat. Ulrike wird freudig von einer Schülerin begrüßt, die stolz ist, hier ihre Lehrerin zu treffen. Nach etwa einer halben Stunde sind wir an der Reihe. Ulrike kommt ohne weiteres durch die Sicherheitskontrolle. Ich muss mich untersuchen lassen, weil bei der Durchleuchtung meines Handgepäcks - wie ich auf Befragen erfahre - mehr als vier "Anomalien" - so heißt das wirklich -festgestellt werden. Ich muss meinen Rucksack den kontrollierenden Damen aushändigen, die jedes einzelne Teil herausnehmen und untersuchen, dessen Umrisse sie auf dem Bildschirm entdecken und ihnen verdächtig vorkommt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was Verdächtiges in dem Rucksack ist, muss mich dann aber wundern, was bei der Umverteilung der Koffer alles in den Rucksack gewandert ist und nun mit großer Neugierde begutachtet wird. Neben einem Hörverstärker findet meine Handpresso (meine händische Outdoor-Espressomaschine), die wohl am meisten als Waffe geeignet erscheint, größtes Interesse, Gott sei Dank ist sie einem Kollegen bekannt, der abwinkt. Nachdem noch weitere Aufklärung über Medikamente erbeten werden und über ein weißes Puder (Mehl), teilt mir die nette Dame vom Zoll mit, dass ich jetzt alles einpacken darf. Ich kann mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass ich eigentlich erwartet hätte, die Damen vom Zoll würden das machen. Nun ja, es dient ja unser aller Sicherheit.

Nach einer guten Viertelstunde ist die Kontrolle überstanden und es geht in das Flugzeug der Iran Air, eine Boeing 777 mit drei Sitzreihen, die mittlere mit vier Sitzen, die äußeren mit je zwei Plätzen. Wir bekommen die mittlere mit vier Sitzen zugewiesen, von denen nur unsere beiden besetzt werden. Wir haben also die ganze Sitzreihe für uns. Zur Freude von Ulrike brauchen die Frauen (noch) kein Kopftuch aufzuziehen.



Es dauert nicht lange, bis sich das Flugzeug pünktlich in Bewegung setzt, nach ziemlich langer Bodenfahrt die Startbahn erreicht und abhebt. Nachdem Handys wieder eingeschaltet werden dürfen, erfahren die Reisenden in der Umgebung unseres Hintermannes, durch ein Telefonat, dass nach einer neueren Bewertung bei dem Verkauf von Wohnungen in weiß Gott nicht wo?, die mit 800.000 Euro angeboten worden waren, noch etwas mehr drin sei. Gut, dass wir das wissen!



Beim Anflug sehen wir ein funkelndes Lichtermeer. Nach einem ruhigen Flug landen wir mit etwas Verspätung nach etwa 6 Stunden um 20.20 Uhr Ortszeit auf dem Teheraner Iman Khomeini Flughafen mit einer butterweichen Paradelandung. Es ist dunkel. Die Pass- und Zollkontrolle durchlaufen wir ohne Probleme und verabschieden uns dort von unseren Begleitern, die uns noch ihre Telefonnummer geben, für den Fall, dass wir irgendwelche Schwierigkeiten hätten...

Nun bin ich schon über drei Wochen hier in Teheran. Es strömen so viele Eindrücke auf mich ein, dass ich das Gefühl habe, schon Monate hier zu sein.

Am Flughafen hat Ulrike die Abholung mit Marshalla verabredet. Er steht mit seinem Fahrzeug, Peugeot 405, französische Karosserie und chinesischer Motor, bereit. Der Iran hat aber auch, eine Eigenproduktion Marke Saipa, dem Peugeot nicht ganz unähnlich. Er heißt mich herzlich in Teheran willkommen.

Der Verkehr ist gewöhnungsbedürftig. Geblinkt wird nicht, dafür umso mehr gehupt. Die Fahrzeuge befinden sich in ziemlich gutem Zustand und weisen wenig Beulen auf, was mich in Anbetracht der Fahrweise der Verkehrsteilnehmer verwundert. Fahrspuren werden gewechselt, indem Fahrzeuge zur Seite abgedrängt werden. Plötzliche Fahrspurwechsel werden durch andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger hervorgerufen, die die sechsspurige autobahnartige Straße überqueren (wohlbemerkt bei Dunkelheit) oder durch Motorradfahrer, die ohne Licht auf der rechten Fahrspur entgegenkommen (wohl gemerkt: es herrscht Rechtsverkehr!).

Auf der Fahrt in die ca. 60 km entfernte Innenstadt sehen wir von Weitem bereits eine riesige farbig erleuchtete Kuppel, das Mausoleum des 1989 verstorbenen Revolutionsführers Ayatollah Ruholla Khomeini, das von vier Minaretten flankiert ist, die jede 91 m hoch sein soll, ein Meter für jedes Lebensjahr. Dem gegenüber befindet sich der größte Friedhof des Landes mit Opfern der Revolution und des Irakkrieges. Auf der weiteren Fahrt passieren wir Hochhäuser rechts und links, die mit übergroßen Portraits von Märtyrern des Irakkrieges verziert sind.



Zum Verständnis der öffentlichen Verehrung der Opfer des Irakkrieges, muss man wissen, dass Saddam Hussein die im Jahre 1980 nach der Flucht des Shah durch die grüne Revolution im Iran seinerzeit entstandene Instabilität nutzen wollte, in einem "Blitzkrieg" die iranische Erdölprovinz Khuzestan im Südwesten des Landes zu erobern, um die Vorherrschaft im Mittleren Osten zu erlangen. Aus der Intervention entwickelte sich ein Stellungskrieg, in dem Saddam Hussein auch Senfgas einsetzte. Nach 8 Jahren endete der Krieg mit einem Waffenstillstand. Dir Iraner konnten sich gegen die übermächtige Armee erfolgreich verteidigen. Die Eroberung misslang. Der Krieg kostete 100.000 Iranern das Leben.

Dass die Iraner den Krieg gewonnen haben, erfüllt sie bis heute mit Stolz. Die geistlichen Führer führen die erfolgreiche Verteidigung des Landes auf Allahs Hilfe zurück.

Die Fahrweise setzt sich in der Innenstadt fort. Ich bin heilfroh, nicht selbst fahren zu müssen und die ersten Eindrücke auf mich einwirken zu lassen. Es herrscht um 22.30 Uhr ein reges Treiben. Bunte Leuchtreklame blinkt. Kleine Läden reihen sich aneinander. Zwischen kleinen Obst- und Gemüseläden mit ihren prächtig aufgebauten Auslagen bieten Metzger, Bäcker, Haushaltsläden und Teppichgeschäfte ihre Ware feil. Daran vorbei fließt der Verkehr mit seinem Gehupe. Wir biegen in eine steile mit 6-8-stöckigen Häusern bebaute Seitenstraße ein, in der es ruhiger wird und erreichen bald unser neues Zuhause. Wir hieven die Koffer über das "Bächle" auf den Bürgersteig und verabschieden uns von Marshalla. Mit dem Aufzug geht es in den zweiten Stock. Nun sehe ich unsere Wohnung zum ersten Mal - hier lässt es sich leben. Ulrike hat eine gute Wahl getroffen. Wir stellen unsere Koffer ab und machen uns sogleich ans Auspacken, damit wir uns möglichst bald wohlfühlen können und gestatten uns den Willkommenstrunk, ein kleines Bierchen, das Ulrike im Kühlschrank bereitgestellt hat, natürlich alkoholfrei. Dann macht Ulrike mit mir die Wohnungsbegehung und zeigt mir, was mal repariert werden müsste... Steckdosen hängen locker in der Wand, das Badezimmerschränkchen hat keinen Strom. Dann weist sie mich in die Handhabung der Toilette ein: das Toilettenpapier nie in die Toilette werfen! Die Abflussrohre sind so dünn, dass sonst Verstopfung droht. Für das Papier steht ein kleiner Eimer bereit. Es hört sich also schlimmer an, als es ist. Meine Befürchtung wegen des Geruchs erweist sich als unbegründet. Wider Erwarten verbreitet sich kein Gestank. Der Eimer mit dem Müllbeutel wird regelmäßig geleert. Schwieriger ist die Umgewöhnung. Ein bisschen in Gedanken versunken, wandert das Papier ins Klobecken. Erleichtert stelle ich fest, dass es nicht gleich zu einer Verstopfung kommt. Todmüde fallen wir ins Bett.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Ich werde durch die Sonne geweckt, der Himmel ist blau. So macht es Spaß, das Frühstück zuzubereiten. Wir frühstücken ausgiebig und machen uns auf zur Erkundung der Stadt.
Ulrike bestellt über das Handy ein Snapp-Taxi. Die Bestellung eines Taxis ist sehr komfortabel über Handy zu bewerkstelligen. Man gibt seine Fahrtstrecke an und bekommt den Preis und das Nummernschild des Taxis auf dem Handy mitgeteilt, allerdings in persischen Schriftzeichen. Es geht zur Metrostation Gheytarieh zum Kauf einer Sim-Karte für mich, damit wir für alle Fälle telefonischen Kontakt miteinander haben.



Im zweiten Untergeschoss befindet sich der etwa 20 m² große Laden von IranCell, in dem sich etwa acht Bedienstete aufhalten. Vier sitzen hinter einem Tresen, einer rechts davon für besondere Fälle. Ein weiterer, dessen Funktion mir nicht ganz klar ist, sitzt auf einem Barhocker am Eingang und hat während unseres Aufenthalts keinerlei für mich ersichtliche Beschäftigung, es sei denn, er führt die Aufsicht oder ist für die Sicherheit zuständig. Sein Einschreiten ist während unseres mindestens halbstündigen Aufenthalts jedenfalls nicht erforderlich. Als wir uns zum Warten hinsetzen wollen, kommt einer der Bediensteten auf uns zu und zieht uns ein Ticket. Dankeschön, sonst hätten wir vermutlich Stunden gewartet. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass der Kauf einer Sim-Karte einen solchen Aufwand macht. Nach etwa zehn Minuten winkt uns der Mann für besondere Fälle zu. Er kennt Ulrike schon. Sie schildert ihm unser Anliegen. Er macht sich ans Ausfüllen eines seitenlangen Formulars und bittet mich um meinen Pass. Zum Abschluss lässt Ulrike noch ihre Sim-Karte aufladen. Es gibt nur einen Tarif für einen Monat, variabel ist lediglich das Volumen an Bites.

Wir verlassen den Laden. An der Wand der Metrostation ein Heldenepos.



Ulrike geht zum Schalter zum Kauf einer Metrokarte und legt dem telefonierenden Schalterbeamten das Geld hin.
Währenddessen spricht mich ein älterer Mann an und fragt mich, woher ich komme und ob wir Hilfe brauchen. Diese Frage kommt gerade rechtzeitig, weil Ulrike nämlich nicht die gewünschte Karte erhalten hat. Schon ist der Mann am Schalter und regelt dies für uns. Wir kommen ins Gespräch; er hat als Ingenieur in Deutschland gearbeitet. Er übergibt uns seine Visitenkarte für den Fall, dass wir irgendwelche Schwierigkeiten hätten und wünscht uns noch einen angenehmen Tag.

Wir verlassen nach kurzer Fahrt die Metro und steigen die Straße hinauf in Richtung Gebirge, dem Kanal entlang, der das Wasser aus dem Elbursgebirge aufnimmt, am deutschen Residenzgarten vorbei. Eine Wandmalerei erweckt unsere Aufmerksamkeit.



Wir verspüren Hunger und kehren im HEEVA ein. Die Menükarte gibt’s nur auf Farsi. Die männliche Bedienung erkundigt sich auf Englisch, woher wir kommen, um dann festzustellen, dass er und wir ja Arier seien! Wir nicken freundlich und lassen uns dann das Menü von ihm zusammenstellen nebst Vorspeisen. Die Bestellung eines Getränks stellt eine Herausforderung dar. Wenn man nicht auf etwas Bestimmtes Lust hat, bestellt man halt ein Bier oder einen Wein - bei uns in Deutschland. Aber hier? Limonade oder Cola ist nicht ganz meine Wahl, aber ein Mojito (Limette mit Minzblättern und Rohrzucker) mit crashed Eis ist eine echte Alternative.

Der Ober hat unseren Hunger wohl überschätzt. Ulrike bekommt ein zerlegtes gegrilltes Huhn mit einer Portion Reis und Beilagen.



Ich habe eine grießsuppenähnliche Suppe und Lamm ausgesucht, ebenfalls gegrillt und auch mit Reis. Das hört sich so recht langweilig an, die Raffinesse bekommt die iranische Küche durch die Kräuter und Gewürze, die man auch allenthalben frisch in den Geschäften bekommt, sei es Kerbel, Thai-Basilikum, Cardamom, Coriander oder Safran. Mein Reis ist mit Nüssen, Rosinen und fein geschnittenen Kumquatsschalen angerichtet, ein Gedicht!



Die Essensportionen sind so groß, dass wir sie nicht bewältigen können und ich sogar auf den Dessert verzichte.



Eine Portion hätte gereicht. Wir entschuldigen uns. Die Bedienung bietet uns einen Doggybag an. Wir nehmen dankend an und haben nun so die Verpflegung für den nächsten Tag gesichert.

Zurück geht es mit der Metro. wenn uns jetzt noch etwas fehlt, könnten wir es in der Metro erwerben, denn fliegende Händler preisen alle möglichen Waren an - Socken, Pantoffeln, Zeitschriften, Kaugummi etc. Auf dem Heimweg kaufen wir noch etwas Lebensmittel ein. Es herrscht Donnerstagabend- sprich Wochenendverkehr, denn der Freitag ist frei. Der Verkehr staut sich. Die Autoabgase stinken. Über der Stadt hängt eine Dunstglocke. Ich wage schon gar nicht mehr zu atmen und will nur noch schnell nach Hause.

Freitag, 5. Januar 2018

Wir machen uns bei schönem Wetter und kühler Temperatur wieder zu Fuß auf dem Weg zur Metro. Vom großen Tajrish-Basar aus wollen wir uns die Stadt aus einem Linienbus anschauen, von Norden nach Süden über die Vali-Asr St. Ich nehme vorsorglich aufgrund der gestrigen Erfahrung eine Atemschutzmaske mit. Vorbei an Ulrikes Schule geht´s gen Norden, Richtung Gebirge,



als drei Frauen uns einholen und uns bitten, zusammen mit ihnen ein Bild von uns machen zu dürfen. Etwas ungewohnt in dieser Rolle, sagen wir gerne zu. Als Dank bekommt Ulrike einen Kuss auf die Wange und eine Streicheleinheit. Dann fahren wir mit der Metro weiter. Man darf nicht vergessen, beim Verlassen der Station die Karte zu entsperren, sonst wird der ganze Preis von Fahrtbeginn bis zur Endhaltestelle berechnet. Als wir am Tajrish-Basar die Metrostation verlassen, spricht uns wiederum eine Frauengruppe an, ob sie mit uns ein Bild machen dürften. Was ist heute nur los? Irgendwie müssen wir beiden Aufsehen erregen. Das Foto wird gemacht.



Wir gehen ein paar Schritte weiter, als wir noch einmal angehalten werden. Die Frau, die die Aufnahme gemacht hat, will auch noch gerne mit aufs Bild. Nun gut. Dann geht es aber zum Bus. Wo einsteigen? Vorne oder hinten. Hinten ist das Abteil für Männer, vorne für Frauen. Was machen wir als Paar? Ich mit Ulrike ins Männerabteil oder Ulrike mit mir ins Frauenabteil? Wir entscheiden uns pragmatisch, das Frauenabteil ist leerer.



Während im Norden noch schicke Designerläden vorherrschen, ändert sich das Bild, je näher wir nach Süden kommen.



Wir kommen durch das Universitätsviertel, wo Tage zuvor die Unruhe begannen. Es ist kaum etwas los. Der Platz steht unter Beobachtung der Polizei und der bewaffneten Revolutionsgarden. Die Demonstrationen sollen aber auch erst bei Dunkelheit einsetzen.

An der Endstation, dem Hauptbahnhof, steigen wir aus und schauen ihn uns von innen an.



Während ich einen riesengroßen Koran betrachte, kommt uns eine große Gruppe Frauen in schwarzen Tschadoren entgegen, die von drei Männern durch die Fahrkartenkontrolle zum Bahnsteig geleitet wird. Das Bild hat etwas Unheimliches an sich. Es scheint sich um eine regimefreundliche Demonstrationsgruppe aus der Provinz zu handeln, die nach getaner Arbeit wieder nach Hause fährt. Gerne hätte ich ein Foto von vorne gemacht. Das erschien mir allerdings nicht opportun, zumal das Fotografieren in Bahnhöfen auch verboten sein soll. So gelingt es mir nur noch, von den Nachzüglern, die durch die Bahnsteigsperre gehen, von hinten ein Foto zu machen.



Wir schlendern noch etwas durch die Gegend und nehmen wieder den Bus bis zum Uni-Viertel.
Unser Pragmatismus bei der Auswahl des Abteils scheitert dieses Mal an einem in der Tür stehenden Mann, der uns auf das vordere Abteil verweist. Darf der Mann mit der Frau also ins Frauenabteil, die Frau mit dem Mann aber nicht ins Männerabteil? Im Uni-Viertel steigen wir aus und kehren in einem netten hypen Café, dem V-Café, in dem junge Frauen bedienen, die ihre Schals auffallend häufig abnehmen und ihr Haar richten, um das Tuch wieder lässig auf ihr Haar zu legen. Sieht gar nicht so schlecht aus. Die Stimmung ist gut.



Wir fahren mit einem Snapp-Taxi Richtung Zuhause und machen noch Einkäufe. Der Taxifahrer ist ein Ingenieurstudent und freut sich, sich mit uns auf Englisch unterhalten zu können.

Samstag, 6. Januar 2018

Für Samstag hat Ulrike eine Stadtrundfahrt mit einem deutschsprachigen Reiseführer gebucht. Die Buchung lief über ein Freiburger Reiseunternehmen. Wir verabreden uns mit dem Reiseleiter „Cheili“ (Name geändert) vor unserer Wohnung. Die Rundfahrt soll mit seinem Fahrzeug und einem Fahrer stattfinden. Unsere breit gefächerten Interessen haben wir ihm telefonisch mitgeteilt. Pünktlich um 9:30 Uhr klingelt es. Cheili erwartet uns mit "Chuani" (Name geändert), dem ebenfalls Deutsch sprechenden Fahrer, der aber auch Reiseleiter ist. Cheili braucht den Fahrer, da er sich vor drei Tagen den Fuß gebrochen hat, als er in ein 7 m tiefes Loch gestürzt ist, das notdürftig nur mit einer Metallplatte abgedeckt war, offensichtlich nicht ganz verkehrssicher. Aus der Stadtführung wird eher eine Einführung in Sitten und Gebräuche Teherans. Wir haben so viele Fragen, die wohl weniger Touristen stellen. Wo gibt es z.B. ein Freibad? Da stehen selbst unsere beiden Reiseleiter auf dem Schlauch.

Unsere Fragen und Gespräche nehmen so viel Zeit in Anspruch, dass kaum Zeit zur Besichtigung von Sehenswürdigkeiten bleibt. Stattdessen werden wir in die Verkehrsregeln eingeweiht (welche man beachten sollte und welche man beachten kann) und in die Stimmung des Volkes. Der Autofahrer muss am Zebrastreifen zwar nicht halten, was ja den Verkehrsfluss behindern würde; passiert aber ein Unfall, haftet der Fahrer. Da es kein Fußgänger darauf anlegt, umgefahren zu werden, der Fahrer aber auch keinen Unfall verursachen will, setzt sich der durch, der die stärkeren Nerven hat. Am besten wartet man, bis auf der nächst gelegenen Spur ein so großer Abstand zum nächsten Fahrzeug entsteht, dessen Geschwindigkeit man so einschätzt, dass man bei Verringerung dessen Geschwindigkeit unbehelligt über die Straße gelangt. Der Fahrer wird es dann nicht darauf ankommen lassen und abrupte Bewegungen vermeiden. Keinesfalls sollte man allerdings Bremsmanöver einkalkulieren, schon gar nicht am Zebrastreifen. Ich habe gelesen, das Lenkrad kurz zur Seite zu reißen werde als weniger lästig empfunden, als den Fuß vom Gas aufs Bremspedal zu setzen. Eher seien die Autofahrer zu kurzen Schlenkern nach links oder rechts bereit, um den Fußgänger ungehindert die Straße überqueren zu lassen. Dies funktioniert allerdings nur bei wenig Verkehr. Das Überqueren wird erleichtert, wenn man sich einer Gruppe anschließt. Wichtig ist, auf Motorräder zu achten, die von links kommen und entgegen dem Verkehr fahren. Diese schlängeln sich durch die Staus und vollbringen dabei wahre Kunststücke. Sie sind bei diesem Verkehr das schnellste Verkehrsmittel von A nach B.



Die Frage nach der Einstellung der Iraner zu ihrer Regierung und zum System drängt sich in diesen Tagen nach den regierungsfeindlichen und -freundlichen Demonstrationen auf. Während wir in den deutschen Medien noch immer von Unruhen lesen und hören, kursieren hier Berichte über zahlreiche Festnahmen, die in der Zahl weit unter denen liegen, über die die deutschen Medien berichten. Allerdings dürften diese Berichte nur aus zweiter Hand stammen, da ein deutscher Journalist zur Zeit wohl kaum ein Visum für den Iran bekäme und die Internetverbindung zum Teil ganz ausfällt oder zumindest eingeschränkt ist. Unserem Wunsch, das Parlamentsgebäude anzuschauen, kann Cheili nicht nachkommen. Dort sei alles großräumig abgesperrt. Mit dem Wagen könnten wir dort nicht hin.

Die von uns gewünschte Art der Stadtführung ist für unseren Stadtführer sichtlich ungewohnt. Er scheint es aber zu genießen, uns nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fahren zu müssen, zumal das Wetter etwas regnerisch und windig ist.



Um seinen Ruf als Stadtführer zu retten, fährt er uns wenigstens zu dem nach seinen Angaben vierthöchsten Turm der Welt.



Im Stadtführer von Teheran (Auflage 2015) wird der Miladtower mit seinen 435 m als sechsthöchster Turm der Welt ausgewiesen. Errichtet wurde er vor zehn Jahren. Zu seinen Attraktionen zählt das Drehrestaurant in 276 m Höhe, ein Imbissrestaurant und mehrere Aussichtsplattformen. Heute ist hier nichts los. Wir bleiben auch auf dem Boden, da die Sicht schlecht ist. Bei gutem Wetter und an Wochenenden, soll hier der Teufel los sein.





Im Eingangsbereich stehen moderne Kunstwerke, die an die Bremer Stadtmusikanten erinnern.





Nach der kurzen Besichtigung des Miladtowers verspüren wir Hunger und schlagen unseren beiden Begleitern vor, essen zu gehen. Cheili schlägt vor, zum Park-e Laleh (Tulpenpark) zu fahren, in dem sich das Teppichmuseum und das nationale Kunstmuseum befinden. Die Polizei und die Revolutionsgarden sind allgegenwärtig. Vor dem Essen wollen wir noch die Museen besichtigen.

Das Teppichmuseum erinnert mich an meine Studentenzeit, als ich in einem renommierten persischen Teppichgeschäft in Bonn gearbeitet habe. Die Namen kommen mir in Erinnerung und auch die Art und Weise wie Herr Gitizad die Namen aussprach. Ich kann mich wieder an den wundervollen fein geknüpften Teppichen erfreuen.









Eine Attraktion dieses Museums ist allerdings die Nachbildung des zweieinhalbtausend Jahre alten Pazyrik-Teppichs, der in einem Skythengrab im ewigen Eis des Altai-Gebirges gefunden wurde. Das Original wird in dem Eremitage-Museum in St. Petersburg aufbewahrt.

Das in der Nähe gelegene Museum mit zeitgenössischer Kunst können wir leider nicht besichtigen:



Es ist samstags geschlossen. Wir sehen im Park des Museums nur einige Kunstwerke, unter anderem von Henry Moore



und Alberto Giacometti.





Jetzt können wir essen gehen. Cheili schlägt ein einfaches Lokal in der Nähe vor, in das er wegen des guten Essens gerne geht. Das Essen sei landestypisch und nicht touristisch. Er ist in diesem Stadtviertel aufgewachsen und hat den Iran mit 16 verlassen. Er wollte damals eigentlich zu Verwandten in die USA, blieb dann aber auch in Deutschland hängen, weil das Geld nicht reichte. Die Geschichte haben wir schon mal gehört. Das Lokal befindet sich im ersten Stock eines unscheinbaren Hauses, direkt neben einer vielbefahrenen Highway-Brücke. Eine schmale dunkle Treppe führt hinauf.



(Foto: Fruchtsäfte in großen Flaschen kosten unterschiedlich viel)

Neben dem Eingang im Erdgeschoss befindet sich ein kleiner Stand mit Fruchtsäften und einer großen Schüssel mit einem schwarz geräucherten Etwas. Sieht von weitem aus wie geröstete Käfer. Chuani kauft für Ulrikes morgigen Geburtstag eine große Tüte davon. Es handelt sich um in der Schale geröstete Sonnenblumenkerne. Das Knacken der Kerne erfordert eine gewisse Fingerfertigkeit. Die Iraner knacken sie in affenartiger Geschwindigkeit mit den Zähnen. Ich als Anfänger nehme zu Hause eine Schere zur Hilfe und finde schließlich auch den richtigen Ansatzpunkt, die obere Spitze, sonst zerdrückt man den Kern. Dennoch - Krabbenpulen ist nichts dagegen. Nach einer guten Stunde habe ich gerade mal einen Esslöffel Kerne zusammen, ohne dass ich etwas genascht hätte. Meine Finger sind schwarz.

Cheili erläutert uns die Speisekarte. Auf seinen Vorschlag hin nehmen wir als Vorspeise ein dünnes Fladenbrot, rohe Zwiebeln und Joghurt, als Hauptgericht gegrilltes Lamm und Gehacktes dazu Reis. Beim Getränk entscheiden wir uns als Alternative für Limo, Cola und Mineralwasser für Doogh, ein gekühltes Joghurt-Getränk. Über den Reis empfiehlt Hamishak zu streuen, ein rötliches Gewürz, das etwas säuerlich schmeckt. Um die rohe Zwiebel essen zu können, wird diese mit Joghurt in das Brot eingewickelt. Cheili empfiehlt dies seinen Reisegruppen auch als probates Mittel zur Vorbeugung von Magen-Darm-Beschwerden.

Nach dem Essen machen wir uns auf dem Heimweg. Ulrike muss zu ihrem morgigen Geburtstag für die Kollegen, die Verwaltung und ihre Schüler noch Shirinis (petit fours) bestellen und in die Schule bringen lassen. In der Produktion von Shirinis sind die Teheraner wahre Meister, die mit den Franzosen keinen Vergleich zu scheuen brauchen.

Sonntag, 7. Januar 2018



Es ist Ulrikes erster Schultag nach den Ferien und ihr Geburtstag. Nach dem gemeinsamen Frühstück um Viertel vor sieben gehen wir zusammen mit Christina, der Kollegin und Nachbarin von Ulrike, zur Schule, wo ich die Kollegen und Mitglieder der Verwaltung kennen lerne, die mich herzlich aufnehmen und mir Komplimente über meine Frau machen. Die Schüler freuen sich, den Mann von Frau Grollmann endlich kennen zu lernen und möchten persönlich begrüßt werden.





Da fängt es auch noch an zu schneien. Die Kinder spielen verrückt und wälzen sich in der hauchdünnen Schneedecke. Der Spuk ist bald vorbei und die Sonne kommt wieder durch.

Nachdem ich meinen Dienstpass zur Verlängerung des Dreimonatvisums in der Schule abgegeben habe, mache ich mich dann zu einer Stadterkundung auf und nehme mir zuerst die Haupteinkaufsstraße, die Shariati St. vor. Bei wunderschönem Sonnenschein und angenehm kühler Temperatur geht es los. Ich nehme alle Eindrücke fotografisch auf und lasse mich gut zwei Stunden bis zum Hemmat Expressway an der südlichen Shariati treiben. Die Stadt beeindruckt durch ihre Hochhäuser, ihre moderne Architektur und die internationalen Werbung im Straßenbild. An deutschen Firmen ist von Bosch über Siemens, WMF, BMW und VW alles vertreten, was Rang und Namen hat.

Am Hemmat Expressway mache ich kehrt, vorbei an einer Moschee, die noch unter Shahs Zeiten erbaut wurde und in der eben dieser Dr. Shariati, nach dem die Straße benannt ist, glühende Reden gegen den Shah geführt hatte, was dazu führte, dass die Moschee vom Shah geschlossen wurde.
Auf meinem weiteren Weg spricht mich ein Mann von hinten an. Ich vermute zunächst einen Taxifahrer oder einen Straßenhändler und versuche ihn abzuwimmeln. Er lässt nicht locker, was mich nervt und ich ihm im Weiterlaufen energischer deutlich mache, dass ich nichts von ihm möchte. Da schiebt er sich an mir vorbei, hält sein Funkgerät in die Höhe und sagt "Police". Der Mann ist in Zivil. Meine erste Reaktion: Da kann ja jeder kommen. Ich frage ihn auf Englisch nach seinem Ausweis. Er fragt mich auf Englisch, ob ich Farsi spreche, was ich verneine. Dann folgt die Frage nach meinem Pass. Da wird es mir ganz heiß. Der Pass liegt ja seit heute Morgen in der Schule!
Ob ich denn sonstige Ausweise, Kreditkarten, Führerschein oder sonst was dabei habe. Ich muss passen, Ulrike hatte mir nämlich tags zuvor empfohlen, alle Ausweispapiere aus dem Portemonnaie zu nehmen. Er bittet mich, um Aushändigung meiner Kamera, klickt die Aufnahmen durch und fragt mich, warum ich Aufnahmen mache. Nach einem Telefonat ein paar Schritte entfernt, kommt er zurück und fragt mich, warum ich fotografiere. Ich erkläre ihm, dass ich Tourist sei und ich meine ersten Eindrücke fotografisch festhalte. Auf meine Frage, ob etwas nicht korrekt sei, antwortet er nur "One Minute - my friend" und zeigt auf sein Handy, von dem er weitere Anweisungen erwartet. So geht das von Anruf zu Anruf weiter. Er nimmt meine Personalien auf, telefoniert, nimmt dann die Personalien von Ulrike auf, stellt neue Fragen, telefoniert wieder usw. Die Zeit vergeht, mir wird es langsam kalt und ich stehe mir die Beine in den Bauch. Ich werde etwas unwirsch und frage, wie lange das denn noch dauern könne, ich habe um zwölf einen Termin. Er könne mich ja gerne zur Deutschen Botschaftsschule fahren. 10 bis 15 Minuten noch, meint er, ich könne aber gerne in seinem Auto Platz nehmen. Da bemerke ich erst einen zweiten Mann, der die ganze Zeit dort schon steht. Ich nehme das Angebot dankend an und setze mich ins Auto. Durch die Seitenscheibe scheint die Sonne und es ist warm. Ich zücke mein Handy und setze Ulrike per WhatsApp über meine Lage in Kenntnis, nicht, dass ich plötzlich auf irgendeinem Kommissariat lande und kein Mensch weiß, wo ich bin. In meinem Kopf finde ich schon Gefallen daran. Wäre doch auch eine ganz interessante Erfahrung, das Land von dieser Seite kennen zu lernen. Zu guter Letzt übergibt mir der Mann sein Handy. Es meldet sich jemand auf Deutsch. So lange dauert es also, bis man jemanden vom "Informationsministerium" erreicht, der Deutsch spricht. Wie es sich gehört, stellt er mir alle Fragen noch einmal, lässt mich meinen Namen buchstabieren, fragt nach dem Namen meiner Frau, seit wann ich im Iran bin, was ich da mache und was ich denn fotografiere, als wüsste er das nicht alles schon längst. Kennt man doch von Krimis. Mal sehen ob sich der Verdächtige nicht in Widersprüche verwickelt. Offenbar ist er mit meinen Antworten jedoch zufrieden. Er bittet mich, das Telefon an seinen Kollegen zurückzugeben, der mir nach einem kurzen Gespräch die Kamera aushändigt. Nun will ich aber doch noch den Grund meiner Überprüfung erfahren und frage ihn, was denn nicht korrekt gewesen sei, ob ich denn nicht fotografieren dürfe. Selbstverständlich dürfe ich das in Richtung Norden tun, aber nicht gen Süden der Stadt (wo die Demonstrationen gegen das Regime eigentlich schon zum Erliegen gekommen sein sollen.) Wenn er da mal nicht zu viel gesagt hat…. Wie verunsichert muss die Regierung schon sein, wenn sie hinter jedem Ausländer mit Fotoapparat schon einen Journalisten wittert oder fürchtet, dass Fotos von Demonstrationen ins Ausland gelangen.
Kurze Nachricht an Ulrike, dass man mich hat laufen lassen. In der Schule werde ich erleichtert empfangen und Ulrike wird ermahnt, die Rundmails von der Schule zu lesen, in denen davor gewarnt worden ist, offen mit der Kamera in die Öffentlichkeit zu gehen. Diese Reisewarnung hatte, wie wir später hörten, auch das Auswärtige Amt herausgegeben.

Montag, den 8. Januar

Heute Morgen erkunde ich bei schönem Wetter die Gegend in unserer Nähe und mache mir dabei ein Bild von den Einkaufsmöglichkeiten. Die zahlreichen Obst- und Gemüseläden bieten verlockende frische Ware an, wunderbar in den Auslagen ausgelegt. Neben den auch bei uns im Schwarzwald und im Elsass gängigen Produkten wie Äpfel, Birnen, Wassermelonen, Kokosnüssen (auch geschälte), Erdbeeren, Apfelsinen, Zitronen, Granatäpfel, Ananas, Stangensellerie, Auberginen, Navettes, Kartoffeln und Salaten finde ich kleine zarte Zucchinis, die feiner schmecken als die uns bekannten, und kleine Gurken mit richtig gurkigem Geschmack. Ich entdecke immer wieder Früchte oder Gemüse, die ich noch nie gesehen habe. Ich werde mich langsam durchprobieren müssen. Angefangen habe ich mit Azgil, einer mispelartigen wallnussgroßen Frucht mit sämigem Fruchtfleisch. Schmeckt mir sehr gut, erfordert aber wiederum viel Geduld beim Abziehen der dünnen Schale und ist nicht sehr ergiebig. In der kleinen Frucht stecken fünf Kerne, die nahezu das ganze Innere ausfüllen. An einem der unzähligen Abfallcontainer, die an den Straßen stehen, sehe ich erstmals eine Frau im Tschador, die den Container nach Verwertbaren durchsucht. Gewöhnlich machen das Kinder und Männer, die mit großen Plastiksäcken unterwegs sind, die im Schweinsgallopp von Müllcontainer zu Müllcontainer eilen und diese auf Brauchbares untersuchen. Das ist hier der Recyclingkreislauf, der grüne Punkt Irans. Vor dem Container entdecke ich eine großartige Erfindung. Stehklos sind sind hier in Teheran gang und gäbe. Auch wir haben in unserer Wohnung neben zwei Sitzklos in den Badzimmern, ein Stehklo, offenbar als Gästeklo gedacht, das Ulrike allerdings stillgelegt hat. Jeder, der je ein solches Klo benutzt hat, weiß, wie umständlich das ist. Die Lösung habe ich vor dem Container entdeckt: ein Klappstuhl, in den ein Trichter integriert ist. Grandios!



Auf meinem Weg zur Kolahdouz St, die auch nach ihrer Umbenennung im Volksmund ihren Namen aus Shahs Zeiten - Dowlat - beibehalten hat, komme ich an etlichen kleinen Obst- und Gemüseläden vorbei, die bis in die kleinsten Ecken mit Waren vollgestopft sind und nur einen schmalen etwa 3-4 m langen Durchgang haben, zu dessen Seiten auf dem Boden allerlei Säcke und Körbe mit Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln usw. stehen. In den Auslagen rechts und links liegen fein aufgebaut Äpfel, Apfelsinen, Mandarinen, Zitronen, Khakis, Ananas, Granatäpfel und Pomeranzen, eine orangenähnliche Frucht, aber bitter und kleiner, und Norange, wie sie hier genannt werden. Eine Übersetzung habe ich noch nicht gefunden. Ich nehme an, dass es sich um Bergamotte handelt, eine Zitruspflanze, ein Hybride aus süßer Limette und Bitterorange. So gibt es noch einige Früchte, von denen ich schon mal gehört habe, die ich jedoch nicht kenne. Am Ausgang liegen die Kräuter Petersilie, Kerbel, Koriander, Thai-Basilikum, Minze und weitere mir ebenfalls noch nicht bekannte Sorten. Zur Kasse muss ich mich durch den Gang schlängeln. Bei Bezahlung werde ich gefragt, ob sie mir die Ware nach Hause bringen sollen. Diesen angenehmen Service nehme ich gerne in Anspruch, damit ich meinen Spaziergang unbeschwert fortsetzen kann.
Mein Weg setzt sich fort vorbei an ebenso kleinen Metzgerläden, einer Kfz-Werkstatt, in die gerade mal ein Auto passt, einem Fischladen, einer Konditorei, einem Matratzengeschäft, einem Geschäft für gebrauchte Pumpen und sonstiges Geräte,



für Haushaltswaren, einen Tante Emma Laden, in dem es Waren des täglichen Bedarfs gibt, wie Milch, Getränke, Butter, Joghurt, Joghurtgetränk (Ayran bzw. Doogh) in diversen Variationen, Reis abgepackt, Nudeln und Konserven usw. In den Folgetagen tätige ich hier meine Einkäufe. Produkte, die ich noch nicht kenne, kaufe ich erst einmal in einem Delikatessengeschäft ein; da kann ich nichts falsch machen. In der Metzgereiabteilung schauen wir uns die Auslage an und werden von einem Mann auf Englisch angesprochen, woher wir kommen, ob er uns helfen kann. Wir fragen, was denn das für Fleisch ist und lernen dabei, dass "Barré" Lamm ist und dass er auch immer hier einkauft und das ein gutes Geschäft ist. Das ist doch was. Wir entscheiden uns für Lamm für ein Pot auf feu. Der Metzger hält einen Fleisch Klumpen von einem halben Meter in die Höhe und fragt, ob das in Ordnung ist. Uns erscheint das etwas viel zu sein. Er zeigt auf seinen Oberschenkel, um uns zu sagen, dass das die Keule ist und es kleiner nicht geht. Er zerkleinert den Fleischklumpen so weit das geht in kleine Würfel. Schließlich kommen da 2,5 kg raus. Ist doch in Ordnung. Weiter geht es zu den Wurstwaren, vor denen wir auch mal wieder ratlos stehen, weil alles nur auf Farsi ausgeschildert ist. Eine Frau spricht uns an, woher wir kommen und klärt uns über die Wurstwaren auf. Weiter geht es zum Käse. Der Verkäufer, der uns eben die Wurst geschnitten hat, begleitet uns. Neben Camembert und Gouda liegt ein Käse mit dem Aufdruck "Esrom", von dem wir nicht wissen, was das für einer ist, Schaf, Kuh oder Ziege. Er guckt sich das an und weiß ebenso wenig wie seine hinzugekommenen Kollegen, was das nun für eine Käsesorte ist. Wir nehmen ihn mit. Neben dem Käse liegt ein eingepackter Ziegenkopf.



Die Geschäfte sind noch einen eigenen Bericht und Fotodokumentation wert. Ich traue mich noch nicht so recht, Fotos von den Läden und Händlern zu machen.



Das Foto von den beiden KFZ-Mechanikern bestärken mich allerdings. Sie freuten sich, von mir aufgenommen zu werden.



In der Dunkelheit erhält die Straße mit ihren blinkenden Leuchtreklamen und grellen roten und grünen persischen Schriftzeichen und dem regen Verkehr ein südliches Großstadtflair. Die Bürgersteige sind größtenteils nur 80 cm breit und so eng, dass man gerade aneinander vorbeikommt. Bäume, Müllcontainer und Briefkästen verengen sie noch weiter. Autos versperren sie zudem so, dass man auf die Straße ausweichen muss. Der eigentlich mit schönen Platten belegte Bürgersteig ist in die Jahre gekommen. Gebrochene Platten werden nicht ersetzt und bilden Stolperfallen. Die Stümpfe von gefällten Bäumen tun ihr Übriges.









Dienstag, den 16. Januar

Ich muss mal wieder etwas Büroarbeit und Buchhaltung machen, den Haushalt in Ordnung bringen, meine Hausaugaben in Farsi machen. Salâm sobh be kheyr, hâle shomâ chetor´e? (Hallo, guten Morgen, wie geht es Ihnen?). Versucht es nicht, den Text nachzusprechen. Der Wechsel von Zischlauten und Rachenlauten und dem geschlossenen A und dem offenen A bedarf schon einiger Übung.



Langsam lebe ich mich hier ein und bewältige schon mit großer Lässigkeit auch das Überschreiten der Straßen durch den fließenden Autoverkehr. Heute passiert es mir zum ersten Mal, und dies gleich zweimal, dass ein Autofahrer meinetwegen abbremst und mich vorbeilässt!!!
Auch die Preise für die Waren kann ich langsam einschätzen und die richtigen Scheine bereithalten, d.h. ob der mir angezeigte Preis nun in Rial sein soll oder in Toman, der Unterschied ist "lediglich" eine Null. Verstehen kann ich die Ansage noch nicht, aber ich bin schon froh, dass ich den Verkäufern nicht mehr mein Portemonnaie hinhalten muss, in dem mehrere 500.000 Rial-Scheine (ca.12 €) stecken, damit sie sich die entsprechenden Scheine herausnehmen können, wobei ich die 2000-er Scheine gleich stecken lassen kann. Nach dem Lebensmitteleinkauf gehe ich heim. An den Autoschlangen bieten Blumenverkäufer Osterglocken zum Kauf an. Kinder putzen ungefragt die Frontscheiben in der Hoffnung auf ein kleines Obulus.

Mittwoch den 17. Januar.

Heute schneit es eine halbe Stunde lang dicke Schneeflocken. Dann kommt die Sonne wieder raus. Im Laufe des Tages schneit es noch mehrmals kurz. Der Schnee bleibt aber nicht liegen. Es ist allerdings kalt, etwa 6-8° C. Smog liegt in der Luft.





Eigentlich soll heute Morgen unsere Putzhilfe bekommen. Am Vorabend klingelt sie bei uns und schenkt Ulrike eine dieser grünen Büropflanzen, ein Vorwand, um dem Sohn zu zeigen, wer wir sind? Sie ist nämlich in Begleitung ihres erwachsenen Sohnes, der nervös hin- und hergeht und den Blick nicht vom Boden abwendet. Ulrike hat in ihrer Wohnung natürlich nicht die Haare bedeckt. Fatemeh entschuldigt sich, dass sie am nächsten Tag nicht morgens kommen könne, sondern erst um 17 Uhr. Das passt Ulrike überhaupt nicht, die wegen einer Konferenz frühestens um 17 Uhr zu Hause sein kann. Als es um 17 Uhr klingelt, ist Ulrike noch nicht da. Die erste Frage von Fatimeh ist, ob Madame schon zu Hause sei. Ich verneine, sage ihr aber, dass sie auf dem Weg ist. Sie macht sich schon mal an die Arbeit. Als Ulrike nach einer Viertelstunde kommt, will sie wissen, warum sie denn nicht schon morgens kommen konnte – ihre Antworten sind unbefriedigend. Nachdem sie Ulrike früher schon mehrmals gefragt hat, ob ich ein guter Mann sei, fragte Ulrike sie, ob sie Angst habe, mit mir alleine in der Wohnung zu sein. Nein, sie habe nichts gegen mich, ich sei wie ein Bruder. Sie wolle aber gerne auch Ulrike sehen... So wurde der nächste Eermin auf einen Mittag gelegt, so dass sie Ulrike nach Schulende dann noch sehen kann. Zu guter Letzt erkundigt sie sich, ob ich denn nun verärgert sei. Ulrike hätte eigentlich‚ "ja" sagen sollen.

Donnerstag, den 18. Januar

Es ist wieder schönes Wetter. Die Sonne scheint. Der Himmel ist allerdings nicht so stahlblau, sondern etwas grau. Am Morgen bereite ich mich auf die Farsistunde vor. Um 14 Uhr kommt Nasim, meine Lehrerin. Abends gehen Ulrike und ich gemeinsam noch einkaufen.
In unsrer Konditorei stehen die Leute Schlange für Shirinis für den morgigen Freitag, den iranischen Sonntag.

Freitag, den 19. Januar

Wir machen uns zu einem Sonntagspaziergang am Freitag auf den Weg. Ziel ist der Ab-o-Atash-Park (Wasser- und Feuer-Park). Der Kaveh-Boulevard zeigt sich von seiner besten Seite.
Es ist früh am Morgen und es herrscht kaum Verkehr.



Auf der Dowlat überholen wir ein altes kleines Männlein, das uns von der Seite auf Frasi anspricht. Unsere Farsi-Kenntnisse sind schon so weit gediehen, dass wir verstehen, dass der Shah gut war und Chamenei schlecht - begleitet von einer Halsabschneidegeste - und das auf offener Straße!







Wir stoßen auf die Shariati und nehmen ein kleines Käffchen im V-Café, von dem wir einen herrlichen Blick auf das nördliche Teheran haben.





























Weiter geht es auf einen Seitenboulevard, an dem auch die chinesische Botschaft liegt. Das Viertel macht einen sehr gepflegten Eindruck. Die Müllabfuhr ist unterwegs.









Nach vier Stunden erreichen wir den Park und kehren erst einmal ein. Wir sitzen in der Sonne und haben das Gefühl, in Italien oder Südfrankreich zu sein. Im Hintergrund läuft gedämpft europäische Musik. Von hier aus bietet sich ein Überblick auf den Park. Im Vordergrund befindet sich ein großer Platz mit mehreren mit Zelten überdachten Bühnen für diverse Veranstaltungen. Der fliegende Reiter, das Wahrzeichen des Parks. Ein Reiterstandbild, vor dem sich Besucher gerne fotografieren, von verschiedenen Künstlern originell gestaltete Sitzbänke und sonstige Figuren zieren den Park, der von "Sonntags"-ausflüglern, jungen Leuten und Familien besucht wird, die Restaurants dagegen sind nur mäßig besetzt.





















Über die Tabiat-Brücke, eine wegen ihrer Architektur bekannte Fußgängerbrücke über den Modarres Highway, die nachts blau angestrahlt ist, geht es durch einen Wald zum Holy Defence Museum, das zum Gedenken an den Irakkrieg errichtet wurde. Von der Brücke aus bietet sich ein schöner Blick auf die Skyline von Teheran. Ein beliebtes Fotoobjekt.

Neben dem Holy Defense Museum stehen Panzer aus dem Irakkrieg neben Müllfahrzeugen und Baracken für Afghanen, die davor Fußball spielen.

Mittwoch, der 24. Januar

Mittags gehe ich zur Schule, wo ich mit Ulrike in der Mensa essen kann, dann zum Schneider zum Kürzen einer Hose. Der Laden gegenüber von der Schule ist so niedrig, dass ich nicht darin stehen kann. Der Schneider - in den 60ern mit Brille und Zopf - umarmt mich herzlich und gibt mir einen dicken Schmatzer. Er lacht, weil ich mich bücken muss. Wir erklären ihm, worum es geht. Alles klar, morgen Nachmittag ist die Hose fertig. Chodafez, auf Wiedersehen. Das ist sie auch tatsächlich. Der Auftrag ist einwandfrei zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt zum Preis von zwei Kugeln Eis bei uns in Deutschland!

Abends sind wir mit Ulrikes Theatergruppe im Azadi-Hotel im Nobelviertel von Teheran verabredet zur Austrian Food Week, einem Buffet. Wir fahren mit dem Snapp Taxi dahin. Für den Weg im Stau brauchen wir über eine Stunde. Der Fahrer schüttet uns sein Herz aus über das System. Er sei Ingenieur und habe den Master. Es gebe aber keine Arbeit für ihn. Er sei 38 Jahre alt und könne sich noch immer keine Familie leisten, sprich heiraten. Deswegen habe er auch keine Freundin. Er bleibe hier im Iran nur, weil seine Mutter hier noch lebt. Alldieweil fahren wir über feine, mit Pinien bepflanzte Prachtstraßen. In der Nähe wohnt - wie er uns sagt - auch Rohani, der Präsident. Von einem großen Transparent schaut der freundlich auf uns herunter. Die Häuser werden immer höher. Das höchste ist schließlich das Azadi-Hotel mit 27 Stockwerken, weithin sichtbar. Es erwartet uns eine Hotelhalle, so groß wie ein Basketplatz, mit Marmorboden und vergoldeten Türgriffen. An diversen Sitzgarnituren sitzen Geschäftsleute und tauschen Schriftstücke aus. In jeder Etage mit ihren endlos langen Gängen findet sich ein Buisinessroom, Restroom, Prayers-Room, VIP-Lounge, Konferenzraum. Hier wird offensichtlich einiges umgesetzt.

Wir fahren in den 26. Stock, von dem sich in der Dunkelheit ein herrlicher Ausblick auf Teheran darbietet. Wir sehen die zahlreichen Autoschlangen, die von hier oben wie Glasperlenketten aussehen. Zur anderen Seite bietet sich der Blick auf das Gebirge und das Foltergefängnis des Shah, das wir bestimmt auch noch mal besichtigen werden.

Donnerstag, 25. Januar

Morgens habe ich wieder Farsi gelernt. Unsere Lehrerin "Nadasim" (Name geändert) kommt um 14 Uhr. Nach dem Unterricht führen wir ein langes Gespräch über die Stimmung im Land nach dem Gespräch mit dem Taxifahrer gestern Abend. Die Einschätzung wird von ihr und einem großen Teil der Bevölkerung geteilt. Sie selbst will auch nach Deutschland, um zu promovieren. Ihr Freund lebt schon in dort.

Liebe Freunde, das sind also meine ersten Eindrücke und Erfahrungen. Uns geht es gut. Wir fühlen uns wohl und genießen die gemeinsame Zeit. Wir haben noch viel vor in diesem Land, dessen Bewohner uns, den Fremden, gegenüber so freundlich, hilfsbereit und dankbar sind.

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Samstag, 21. Oktober 2017
Meine ersten Wochen in Teheran (6)




ZURÜCK IM IRAN
Nach der Sommerpause in Deutschland, komme ich mit dreiwöchiger Verspätung in Teheran an. Die Schule hat längst angefangen, als mein Visum endlich kommt und ich in den Iran abfliegen kann.
Meine Luftfracht ist zwischenzeitlich schon unterwegs und ist dann auch noch früher da als ich. Allerdings soll ich für den Empfang der zahlreichen Kisten einen größeren Betrag in Dollar zahlen, dann erst will der Zoll die Fracht freigeben. Nachdem ich nicht zahle und sich die Schule daraufhin einschaltet, bekomme ich mein Gepäck 'zum Nulltarif', was mich allerdings zwei nervenaufreibende Tage am Flughafen kostet.







ASHURA-FEST
Am 1. Oktober hatten wir wieder einen religiösen Feiertag, das Ashura-Fest. Es wird sowohl bei den Shiiten (Iran-dunkelrot auf der Karte, hellrot-Irak) als auch bei den Sunniten gefeiert und gilt als das größte religiöse Fest der Muslime auf der ganzen Welt.



[Wikipedia:
Meist bezeichnet Aschura den letzten Tag der jährlich zehn Tage dauernden schiitischen Trauer- und Bußrituale (Schiitische Passionsspiele) zu Ehren des Martyriums des dritten Imams Husain ibn ʿAlī, eines Sohnes Alis und Fatimas, der Tochter des Propheten Mohammed.
Die Aschura-Riten der Schiiten bilden den Höhepunkt der Passionsfeiern im islamischen Monat Muharram. Während Aschura gedenken sie öffentlich der Schlacht von Kerbela im Jahr 680 im heutigen Irak. In dieser Schlacht wurden am 10. Muharram Husain ibn Ali sowie fast alle männlichen Verwandten getötet. Die Rituale des Aschura enthalten Erzählungen (Rouza-chwani), Trauerprozessionen in Trauerkleidung und Selbstgeißelung (genannt Sinazani oder Tatbir) sowie teilweise auch die kultische Inszenierung des Martyriums Husains (Ta’ziya).
Diese öffentliche und gemeinsame Trauer ermöglicht es den Schiiten, so am Leiden Husains teilzuhaben und dessen Schicksal in Erinnerung zu rufen. Im Laufe der Rituale, bei denen sich viele Trauernde mit ihren Fäusten gegen die Brust schlagen, kommt es teilweise auch zu blutigen Verletzungen, die durch die Ausübung der Sinazani, also durch die Selbstgeißelung verursacht werden.]

Da die ganze Prozession erst abends nach Sonnenuntergang beginnt, gehe ich mit Freunden auch erst abends dorthin. Immer wieder kriegen wir zu essen und zu trinken und kommen auch so ins Gespräch mit Einheimischen. Die Geißelungen sind längst nicht mehr so brutal wie in früheren Zeiten. Auf einem mitfahrenden Auto liegen die Geißeln (es sind Holzstöcke mit leichten Kettengliedern), die man sich nehmen und dann im Prozessionszug mitgehen kann.













Das Schaf und die Kuh werden noch in dieser Nacht geschlachtet.







Überall in der Stadt werden am Straßenrand Essenstände aufgebaut, wo man nach Sonnenuntergang kostenlos Tee oder Suppen angeboten bekommt.

WAHLPARTY
Während wir im Garten der Botschaft über eine Leinwand die Ergebnisse der Bundestagswahl mitverfolgen können, weilt unter den Gästen auch ein ARD-Team, das gerade einen deutsch-iranischen Film dreht. Zu den Protagonisten gehört auch der Stuttgarter Tatort-Kommissar Sebastian Booz alias Felix Klare. Wir lassen uns natürlich diese Gelegenheit nicht nehmen und bitten um ein gemeinsames Foto.



3. OKTOBER - TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT
Auch zu diesem Fest wurden wir persönlich vom Botschafter eingeladen, und es ist d a s Ereignis der deutschsprachigen Gemeinschaft. Hier präsentieren sich bei schönstem spätsommerlichen Wetter im Garten der Residenz die deutsche Schule, das Goethe-Institut, die deutschsprachige Gemeinde und die Botschaft. Alles, was Rang und Namen hat, ist hier vertreten. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, weil ich hier mal wieder in normaler Kleidung und ohne Tuch herumgehen konnte!















AUSFLUG NACH TOCHAL (Basisstation)
In spätsommerlicher Zeit ist eine Wanderung in die Berge auszuhalten. Und so marschieren wir los, um mal zu sehen, wie es ist, von der Stadt gleich an den Fuß der Berge zu gehen - und das immer bergauf. Als wir den Fußweg zum Tochal erreichen - das ist der Hausberg der Teheraner, gehen wir auf einer Schotterstraße bis zur Basisstation, wo im Winter die Skifahrer die Gondel nehmen, um auf den ca. 3000m hohen Berg zu fahren. Wir gehen nur 'ein kleines Stück' hinauf, können aber schon erahnen, wie es im Winter dort aussehen kann.
Hier werde ich auf jeden Fall noch einmal hingehen und dann auch noch höher wandern bzw. streckenweise auch die Seilbahn nehmen.



















Während unserer Wanderung müssen wir natürlich auch das Befüllen der Softeiswaffeln ausprobieren, das so geht: Man nimmt sich eine Eistüte, kann viele verschiedene Eisstränge per Hebel in die Tüte fließen lassen, wobei man schnell den Hebel wieder loslassen muss, weil sonst das Eis überschwappt. Dann kann man sich das Eis mit vielen Dekorationssteinchen wie Smarties, Zuckerkügelchen, Schokostreusel etc. dekorieren. Und dann kommt das Endprodukt auf die Waage und wird nach Gewicht bezahlt.



Auf unserer Wanderung kommen wir auch an einem Café nur für Lehrer vorbei, in das ich irgendwann mal gehen werde. Mal sehen, ob es noch aus früherer Zeit ist oder auch mal geöffnet ist.



Und dann entdecken wir auch ein bisschen Berlin - den West-Kuhdamm!



Den Abschluss des Tages verbringen wir in Darakeh, meinem Flussrestaurant.



MEIN FREUND, DER BAUM
Teheran ist eine grüne Stadt! Überall findet man Parks und kleinere Grünanlagen - zumindest hier im Norden, wo ich wohne. Sie werden gepflegt, denn ich sehe häufig Leute, die die Blätter zusammenharken. Und es gibt viele Trimm-dich-Geräte, man hat hier nämlich kaum eine andere Möglichkeit, sich fit zu halten (oder man geht in Fitness-Center, wie wir sie aus Deutschland kennen). Zur Pflege der Grünanlagen gehört auch das permanente Wässern - zumindest jetzt im Sommer.













Ein früherer Bürgermeister hat verordnet, dass kein Baum in der Stadt gefällt werden darf. Deshalb ist der Baumbestand oft auch sehr dicht, was in der heißen Zeit von großem Nutzen ist.
Allerdings hat das zum einen zur Folge, dass tote Bäume einfach stehengelassen werden, manchmal müssen sie sogar mit Seilen gesichert werden.
Und dann hat es zum anderen auch zur Folge, dass um Bäume herum gebaut wird. Auf den Bürgersteigen sind extra Löcher gelassen, damit sie in die Breite wachsen und gewässert werden können. Wächst ein Baum in den Bürgersteig hinein, muss der Fußgänger dann halt auf die Straße ausweichen...















WIR FUßGÄNGER WERDEN MISSACHTET!!!
Selten zuvor habe ich die Auto- und Motorradfahrer so verwünscht wie hier. Ich habe oft das Gefühl, dass es für die ein Kick ist, uns zu schneiden, wenn wir gerade die Straße überqueren und sie in unsere Richtung abbiegen. Nicht zuletzt schrecke ich oft zusammen, wenn sie unmittelbar bei mir hupen.
Doch nicht nur im Verkehr werden wir missachtet, auch auf den Bürgersteigen haben wir als Fußgänger mit den Widrigkeiten zu kämpfen.
Nun ist Teheran ja so gebaut, dass man irgendwann mal bergauf gehen muss. Dann sind da plötzlich Treppenstufen in den Bürgersteig eingelassen, oder geparkte Autos versperren den Weg. Immer muss man als Fußgänger irgendwie ausweichen. Leid tun mir Rollstuhlfahrer oder die Eltern von Kleinkindern, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind. Zugegeben, die sieht man sehr selten, meistens werden die Babys und Kleinkinder getragen - vielleicht als Folge dieser Straßensituation - und Rollstuhlfahrer habe ich bisher nur drei gesehen. Und Rollatoren kennt man hier nicht.

























SMOG
In den letzten Tagen soll die Luft viel besser gewesen sein, als noch vor Wochen. Das hängt auch damit zusammen, dass es ziemlich oft gestürmt hat und den Smog etwas vertrieben hat. Ich sehe es morgens, wenn ich um 7 Uhr zur Schule gehe, sehr genau, denn dann sind die Berge klar zu erkennen - abends schon nicht mehr. In dieser Zeit tragen die Bewohner auch Gesichtsmasken mit Feinstaubfilter, die ich mir auch holen werde.







SCHAUFENSTER
Wenn ich mir so die Schaufensterauslagen anschaue, kann ich sagen, dass sie weitgehend mit unseren Angeboten mithalten können. Vielleicht nicht in der Vielzahl, aber hin und wieder entdecke ich Läden, die es auch in Europa geben könnte. Vor allem das Kuchen- und Tortenangebot ist eine Wucht. Neulich habe ich für ein Kaffeestündchen mit einer Kollegin zwei Tortenstückchen holen wollen - nachdem man mir aber das eine oder andere Stück zum Probieren angeboten hat, komme ich nicht drumherum und nehme die dann auch noch mit - zum Preis von zwei Stück Pflaumenkuchen bei uns im Schwarzwald (6 €}!























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Freitag, 23. Juni 2017
Meine ersten Wochen in Teheran (5)




Bevor mein Blog mit mir in die Sommerpause geht, möchte ich hier doch noch ein paar abschließende Gedanken zu diesem tollen Land loswerden.

Ich bin froh, dass ich die Chance bekam, in das uns so unbekannte Land zu fahren, dort auch zu wohnen und zu arbeiten. So bekam ich den Alltag der Teheraner mit, lernte ihre Hilfsbereitschaft kennen und schätzen und bin dafür sehr dankbar. Ihre Wissbegierde meinem Land gegenüber zeigte mir, wie wenig auch sie von uns kennen. Ausgenommen sind natürlich diejenigen, die in Deutschland aufgewachsen sind und jetzt 'freiwillig' in einem Land leben, wo z.B. die Rechte der Frauen noch immer von Männern gemacht werden und sie das hinnehmen (müssen). Aber ich denke, dass sich in den nächsten Jahr(zehnt)en etwas ändern wird. Man muss nur Geduld haben....
Hier leben Menschen wie in Paris, Rom Stockholm, Athen und Berlin - in Backsteinhäusern und mit z.T. sehr teuren Autos. Sie waren zu mir immer freundlich (Altersbonus?), und sobald sie merkten, dass ich Ausländerin bin, sprachen sie, wenn auch manchmal gebrochen, Englisch. Aber sie zeigten mir, dass sie interessiert sind. Und nie fühlte ich mich irgendwie dumm angemacht oder hätte Angst haben müssen, wenn ich allein durch die Straßen zog.

KLEIDUNGSFRAGEN
Ich musste mich natürlich dem Leben hier im Iran anpassen. Es fing schon mit der Kleidung an. Hier bin ich noch am Ausprobieren, was geht und was nicht. Aber in der Großstadt sieht man das lockerer als in der Provinz (ich denke da an den Flughafen von Bushehr) und so mache ich auch weiter.

























SCHUHE DURCHGELAUFEN!
In meinem Leben bin ich noch nie so viel und oft von der Schule zu Fuß nach Hause gegangen wie hier, denn meistens fuhr ich ja in Deutschland mit dem Fahrrad zur Schule oder nahm das Auto. Weil es hier erst seit ungefähr 10 Jahren eine Metro gibt, konnten noch nicht alle Stadtteile damit erreicht werden und so musste ich von meiner nächsten Metrostation 35-40 Minuten zu Fuß gehen, da es zu meinem Apartment auch keine Busverbindung gibt. So bin ich eine Stunde unterwegs gewesen, bis ich nachmittags bzw. abends zu Hause war. Ich habe mir sogar die Schuhe durchgelaufen!!!
Nach den Sommerferien werde ich in eine größere Wohnung umziehen, die näher bei der Schule liegt und ich dann nur noch 20 min Gehminuten habe.







RIAL - TOMAN?
Man muss das Portemonnaie immer voller Geldscheine verschiedenster Geldbeträge haben! Anfangs kam ich damit ja überhaupt nicht zurecht, denn einen 100.000 Rial-Schein trägt man nicht offen mit sich rum (dachte ich), weil man mit so viel Geld vorsichtig sein muss. Bis mir klar wurde, dass es kaum Münzgeld gibt und diese 100.000 Rial umgerechnet 2,50 € sind. Die Iraner zücken immer ein ganzes Bündel Scheine und zählen dann offen das Geld ab. Und häufig konnte ein Snapp-Taxi-Fahrer auf die 100.000 Rial, die ich ihm hingegeben habe, nicht rausgeben, wenn die Fahrt 85.000 Rial gekostet (ca. 2 €) hat. Dann habe ich ihm das Restgeld geschenkt.
Und zu all dem kommt noch die andere Währung - Toman. Manchmal müssen die Einheimischen selbst noch nachrechnen, obwohl es eigentlich ganz einfach ist - man muss nur eine Null am Ende bei dem Rialbetrag wegstreichen. Und dann ist das Durcheinander komplett, wenn manche Kassen den Rialbetrag und andere den Tomanbetrag anzeigen. Da zahlt der Iraner dann lieber mit seiner Scheckkarte, das Passwort bzw. der Zifferncode wird dabei ganz offen an der Kasse gesagt und jeder kann mithören.

FUßGÄNGER
Als Fußgänger hast du im Iran schlechte Karten. Man hat hier zwar Zebrastreifen auf die Straße gemalt, aber die Autofahrer übersehen sie und dich! Du musst hier schon dein Recht auf Überquerung der Straße einfordern, indem du mutig auf die Fahrbahn trittst und Blickkontakt mit den Autofahrern aufnimmst. Sie fahren meistens sowieso nur so schnell, dass sie ggf. noch bremsen können, bevor es zu spät ist. Aber Herzklopfen habe ich nach wie vor. Und auf dem Bürgersteig musst du mit Radfahrern oder auch mit Motorrädern rechnen! Selbst an Straßenkreuzungen parken die Autos im Bereich der Fußgängerüberquerung. Unsere 5 m-Regel kennen sie nicht.











MOTORRADFAHRER
Die Motorradfahrer sind unberechenbar. Sie überholen rechts und links, witschen schnell noch durch eine Lücke in der Autoschlange und fahren oft Millimeter entfernt an den Autos vorbei. Ich mag sie nicht!
An etwas werde ich mich wohl nie gewöhnen, und das ist der permanente Verkehrsfluss und die damit vorhandenen Abgase bzw. Drecksspuren in der Wohnung.





















PLASTIKTÜTEN
Ein für mich großes Problem, gegen das ich ankämpfe, ist nicht unbedingt die Hitze, es ist der Plastikmüll!. Alles wird im Supermarkt in Plastiktüten jeglicher Größe gepackt und so kommt man durchaus mit 4-5 Plastikbeuteln raus, wenn man viel eingekauft hat. Da ich jedoch immer meinen Einkaufsbeutel aus Stoff mitnehme und meinen Einkauf darin verpacke, outete ich mich gleich als Nichteinheimische, wenn man es bis dahin noch nicht gemerkt hat.

SCHÖNHEITSIDEALE
Kaum eine Iranerin geht mit grauen Haaren auf die Straße - das ist ein Zeichen von Alter und entspricht nicht dem Schönheitsideal.
Mir macht es Spaß, meine kurzen grauen Haare zu zeigen, auch wenn ich mir manchmal längere Haare wünschte. Damit das Tuch auf dem Kopf hält, haben viele Iranerinnen einen Knoten oder hochgebundene Haare, auf denen dann das Tuch liegen kann und durchaus auch mal fast bis im Nacken hängt. Ich gehe oft verkrampft durch die Straßen, immer darauf bedacht, das Tuch oben zu halten, vor allem, wenn es windig ist. Klämmerchen würden bei dem kurzen Haar auch nichts nützen, deshalb setze ich oft meine Brille auf den Kopf, um das Tuch zu fixieren.
Ein anderes Schönheitsideal ist übrigens die begradigte Nase, und die nicht nur bei Frauen!





Dieses Foto habe ich in der Metro aufgenommen, so laufen die Frauen, und manchmal auch Männer, hier herum - stolz!

UMWELTPROJEKT
In der Schule haben wir vor kurzem ein Umweltprojekt gestartet und erreicht, dass gelbe Tonnen auf dem Gelände und in den Klassen aufgestellt werden und dass in der Mensa die Getränke nicht mehr in den Einmalplastikbechern ausgegeben werden, sondern in bunten Bechern. Die sind zwar auch aus Plastik, aber können gespült und mehrmals verwendet werden. Außerdem muss jedes Kind eine eigene Trinkflasche mitbringen, die es an den Wasserspendern, die überall auf dem Gelände stehen, füllen kann. Selbst ich habe mir eine Flasche 'My Bottle' zugelegt.
Zu Hause schmeckt mein Wasser richtig nach Chlor, so dass ich mir deshalb jeden zweiten Tag mein Wasser im Six-Pack aus dem Laden holen muss.

















UMWELTBEWUSSTSEIN
Zu dem Plastikmüll kommt hier noch die Haltung vieler Iraner zu ihrer Umwelt. Manchmal denke ich - sie haben (noch) kein Umweltbewusstsein. Das macht sich auch in der Schule bemerkbar, wenn nachmittags alle weg sind, wie gedankenlos z.B. die Chipstüten auf den Sportplatz geworfen wurden. Und es stehen überall Mülltonnen! Umwelt-Initiativen werden ganz langsam aktiv. Mir hat eine Umweltschützerin erzählt, dass man bewusst die Tüten mit noch verwertbaren Sachen neben die Container stellt, dass die Armen nicht den stinkenden Container durchwühlen müssen. Brot- und Pizzareste liegen oder hängen auch daneben.













SMOG UND ABGASE
An etwas werde ich mich bestimmt nie gewöhnen können, und das ist der permanente Verkehrsfluss. Damit einher gehen natürlich die Abgase und der tägliche Dreck in der Wohnung. Morgens um 7 kann man schon die Dunstglocke von meinem Zimmer aus über der Stadt erkennen.









FRAUENSCHWIMMBAD
Hier gibt es übrigens nicht nur einen Frauenpark, sondern auch ein Schwimmbad NUR FÜR FRAUEN! Ich war vor kurzem mit einer Kollegin dort und war froh, mich wieder einmal körperlich betätigen zu können. Das Freibad (aus den 50er Jahren) ist komplett von einem hohen Zaun umgeben und die Bahnen sind 33 m lang (engl. Maß). Das Gute war, dass man sein Handy an der Kasse abgeben musste! Und man musste eine Badekappe tragen und Badelatschen, barfuß laufen ging gar nicht. Dafür bekam man Badelatschen, die man selbst unter der Dusche anhaben musste, denn es wurde sehr genau darauf geachtet, dass man vor der Berührung mit dem Beckenwasser duschte, und zwar mit Seife.





(Die Straßenbezeichnung hilft mir, in GoogleMaps den Ort wiederzufinden).
Das Bad war in der Ramadanzeit kaum besucht, was sich demnächst bestimmt ändern wird, denn Ramadan geht jetzt zu Ende. Wir haben in der Schule übrigens wieder davon profitieren können, denn hier wird zwei Tage lang gefeiert.

MAJOLIKA
Was mir besonders gut gefiel, sind die zahlreichen Muster und Verzierungen, von denen ich hier nur eine kleine Auswahl zeigen kann.

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Donnerstag, 8. Juni 2017
Meine ersten Wochen in Teheran (4)


Es war eine beeindruckende Reise, die ich mit der deutschen Gemeinde über Pfingsten nach Shiraz und Persepolis bis nach Bushehr am Persischen Golf unternahm.



Shiraz, die Stadt der Dichter und Gärten (und wie ich mit Freude registrierte, auch der Fahrradfahrer) liegt etwa anderthalb Flugstunden von Teheran entfernt (700 km) im Süden ca. 1500 m hoch im Zagros-Gebirge.



Frühmorgens traf sich die buntgewürfelte Gruppe aus Deutschen, deutsch-iranischen Ehepaaren sowie zwei Müttern mit ihren beiden Söhnen am Teheraner Flughafen Mehrdamad. Matthias, ein Kollege von mir, und Ehemann von Kirsten, der deutschen Pastorin, hatte die Reise zusammen mit Anja geplant, die auch schon an der deutschen Schule gearbeitet hatte und jetzt in einem Reisebüro in Shiraz tätig ist. Von ihr und unserem Reiseleiter Hossein wurden wir in Empfang genommen. Mit dem Bus ging es erst einmal zu unserem Hotel Niayesh. Es ist ein sehr traditionelles Hotel, was gerne auch von ausländischen Gästen besucht wird, weil es in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt liegt. Hier blieben wir drei Tage und fühlten uns sehr wohl.









Weil es ja nicht nur eine Vergnügungsfahrt war, sondern auch eine Bildungsreise, wurden uns zunächst einmal Verse von den wohl bekanntesten Dichtern und Mystikern Persiens – Hafis und Sa’adi - vorgetragen, um auf den Tag einzustimmen. Von Goethe, einem großen Bewunderer von Hafis und Bruder im Geiste, wurden auch gleich noch Verse aus seinem ‚West-Östlichen Diwan’ rezitiert.







Im Anschluss daran fuhren wir zum Mausoleum von Hafis ...

















... und besuchten den Eram-Garden, einen botanischen Garten, in dem ein wunderschönes ‚Ferienhaus’ der Schah-Familie steht, in dessen oberem Stockwerk noch Utensilien von Farah Diba liegen sollen.











Dann fuhren wir zum Delgoshah Garden mit dem Grabmal von Sa’adi. Hier entdeckten unsere Jungs einen Teich, in dessen Wasser Goldfische um ihr Leben rangen, denn der Abfluss war defekt. Schnell wurden die Tiere gerettet und die Jungs konnten aufatmen.













Das Koran-Tor durfte natürlich nicht fehlen.











Hier versammelten sich viele iranische Grüppchen bereits vor Anbruch der Dunkelheit zum Picknicken, denn es war ja Ramadan.





Dieses Tor steht am Ortsausgang in Richtung Persepolis und enthält in seinem Brückenbogen einen Koran, der die ankommenden Reisenden segnen soll.

Später am Abend statteten wir der Moschee noch einen Besuch ab und wurden gleich mal in Tschadore gesteckt (man erkennt die Ausländer an der Farbe des Stoffes!)







Am folgenden Tag wollten wir den Bamou National Park besuchen, an dessen Rand eine Ölraffinerie liegt.



Der Bus fuhr uns auch in den Park hinein, machte aber nach noch nicht mal 8 km kehrt, weil er die 30 km nur im Schritttempo fahren konnte, da die Wege so staubten. Außerdem hatte der Busfahrer wegen des Splits und der Hitze Angst um die Bereifung. Hier ist es nämlich so, dass der Bus dem Fahrer gehört und er damit Geld verdienen muss, und wenn er nun eine Reifenpanne hat, weil der Split sich in die Reifenprofile gesetzt hat und die Straßen und Reifen wegen der extremen Hitze sehr heiß geworden sind und der Split in das Gummi gedrückt wird, fällt der Verdienst aus.



So stiegen alle aus und wanderten die 8 km zurück, was auch sein Gutes hatte, denn wenn man auch nicht viele Tiere sehen konnte, so hatte man nun die Möglichkeit, ausgiebig Gespräche zu führen und die vielfältige Flora zu betrachten.









Der Leopard soll auch schon einmal gesichtet worden sein (hier ist er auf einem Plakat zu sehen).
Gepicknickt wurde nicht wie geplant mitten im Nationalpark, sondern schnell improvisiert im Schatten am Eingang des Parks.





Solche improvisierten Situationen hatten wir öfters auf der Fahrt. Wir Teilnehmer waren jedoch nie so gestresst wie unsere Reiseleiterin Anja oder Matthias.

Am Nachmittag standen ein Stadtbummel bzw. Persepolis auf dem Programm. Dieser legendäre Ausgrabungsort liegt ca. 50 km nordöstlich von Shiraz. Die kilometerlange Zufahrtsstraße ließ der letzte Schah in den 1970er Jahren anlässlich der 2500 Jahrfeier bauen. Heute noch sieht man Überbleibsel dieser Feierlichkeiten.

















(Wikipedia: Die altpersische Stadt Persepolis war eine der Hauptstädte des antiken Perserreichs und wurde 520 v. Chr. gegründet. Die Palaststadt wurde 330 v. Chr. durch Alexander den Großen zerstört, aber ihre (teils wiederaufgebauten) Reste können auch heute noch besichtigt werden. Sie zählen zum UNESCO-Welterbe).

Der Pfingstsonntag wurde den Religionen gewidmet. In der St. Simon-Church, einer anglikanisch-christlichen Kirche, hielt Kirsten eine Pfingstandacht im Beisein des dortigen Pfarrers. Die Kirche steht, wie auch die anderen Gotteshäuser, in einem Garten, der umgeben ist von einem hohen Sichtschutz mit einer Tür, an der man erst einmal klingeln muss, um hineingelassen zu werden.















Der Brite Henry Martyn übersetzte die Bibel ins Persische.



In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich die ehemalige amerikanische Gesellschaft, die es seit 1979 nicht mehr gibt.



Anschließend fuhren wir nach Ghalat, einem kleinen Dorf in den Bergen, wo eine befreundete Familie von Anja für mehr als 25 Teilnehmer ein vorzügliches Mittagessen servierte!





Eine Wanderung zu einem in den nahen Bergen gelegenen Wasserfall war dann natürlich ein Muss.













Auch hier entdeckten wir ein kleines christliches Kirchlein, das allerdings ziemlich verfallen war und heute wohl ein beliebter Treffpunkt ist.











Mit Corinna aus Jever (dort wohnten meine Eltern) führte ich viele schöne Gespräche, wir verstanden uns sofort.
Ich wurde sogar zur Biertrinkerin!





Zurück in Shiraz stand noch der Besuch des Zoroastrischen Feuertempels und der jüdischen Synagoge auf dem Programm.
Zuerst besuchten wir den Feuertempel, weil bis zum Abend nicht klar war, ob wir überhaupt die Synagoge von innen sehen durften. Für alles musste Anja eine Genehmigung einholen.















Schließlich durften wir abends doch noch in die Synagoge.













Im Anschluss daran gab es leckere, koshere Pizza, von der jedoch so viel übriggeblieben war, dass der Rest für den nächsten Tag mitgenommen werden konnte.





Abends wurden immer noch schnell Fotos verschickt und das WLAN des Hotels genutzt, bevor um 23 Uhr im Innenhof das Licht ausgemacht wurde.







Am letzten Tag dieser tollen und sehr informativen Reise fuhren wir mit dem Bus die ca. 300 km nach Buschehr am Persischen Golf (viele bringen diesen Ort immer in Zusammenhang mit einem Atomkraftwerk, das 1975 gebaut wurde)





Vorher besuchten wir jedoch noch die sassanidische Ruinenstadt Bishapour.





Immer wieder versorgte uns Matthias mit kalten Wasserflaschen, die überall am Wegesrand in kleinen Kiosken verkauft wurden.









In der Mittagszeit bei bestimmt 40 Grad und sehr trockener heißer Luft suchten wir vorwiegend den Schatten auf. Und weil sich nur die Touristen in den Ruinen aufhielten, entledigte ich mich für ein paar Minuten mal meines Tuchs und Mantels…



Nach dem ziemlich zerklüfteten Zagros-Gebirge kamen wir in die Ebene mit ihren Dattelpalmen und Olivenhainen.



Allerdings sah es auch oft so aus.



Am Ende der Reise wartete für manche Füße oder sogar Badehosenträger ein erfrischendes Bad im Persischen Golf.

















Und bevor es abends mit dem Flieger zurückging, bekamen wir einen weiteren Eindruck iranischer Gastfreundschaft, denn wieder hatte uns eine private Familie ein abwechslungsreiches Abendessen serviert.





So schnell wie ich gehofft hatte, kam ich nicht durch die Sperre. Die Zolldamen hatten an meiner Kleidung auszusetzen, dass ich zu kurze Hosen trug. "You are not propperly dressed!" Ich hätte aus meinem Koffer eine lange Hose holen sollen, doch ich entschied mich für eine andere Variante. Ich zog meine 7/8 Leggings fast bis unter den Po und wurde noch einmal genau gemustert.



Eigentlich war es für die Damen immer noch ein wenig zu kurz. In Teheran gehe ich so gekleidet, ohne dass mich einer bisher darauf angesprochen hätte.

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Sonntag, 14. Mai 2017
Meine ersten Wochen in Teheran (3)




Samstag, 20.5.2017


NIAVARAN PARK
Im Norden von Teheran liegt der Stadtteil Niavaran mit dem gleichnamigen Park. Er gehört zu dem Palastkomplex des ehemaligen Shah Reza Pahlevi.





Hier besuche ich mit zwei Kolleginnen eine Ausstellung von Bildern, die autistische Kinder gemalt haben.







Ganz schnell haben wir es mal gewagt, unsere Tücher abzunehmen - es war so warm!!



Anschließend fahren wir auf dem Weg zu einem anderen sehenswerten Park an einem In-Lokal vorbei, wo wir nur mal kurz reingehen, um eine Kleinigkeit zu trinken.



Aber da draußen schon eine Schlange wartet (man wird drinnen gesetzt), husche ich mal schnell ins Innere, um ein Bild machen zu können. Hier bleiben wir nicht.



In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es diesen Kindergarten.






JAMSHIDIEH PARK
Noch weiter nördlich befindet sich dieser Steinepark, der zu den schönsten der Stadt zählt. Er wurde in den 70er Jahren angelegt und liegt auf 1800 m bis 2100 m Höhe.



Und weil er nicht so weit vom Niavaran Park entfernt ist, besuchen wir ihn auch noch an dem Tag.



Für diese Kraxelei habe ich offensichtlich die falschen Schuhe an (Flip Flops!). Aber ich bin ja nicht das letzte Mal dort gewesen.












BÄCKEREI
Diese Bäckerei ganz in der Nähe meiner Wohnung ist ein Erlebnis. Man bekommt dort Steinofenbrot, das innerhalb von Minuten gebacken wird. Aber weil man nicht nur für ein Brot dort hingeht (außer mir), sondern gleich für mehrere (vielleicht zum Einfrieren), wartet man geduldig in der Schlange und schaut den Bäckern bei der Arbeit zu.







Das Brot ist so lecker, dass ich den noch warmen Fladen auf dem Weg nach Hause anknabbere.




EIN BESUCH IM ZOO
Mit unseren Erstklässlern fahren wir in den Teheraner Zoo Emram. Um zu wissen, was uns dort erwartet und um ein Quiz vorzubereiten, fahre ich mit dem anderen Erstklasskollegen am Wochenende vorher mit der Metro dorthin. Die Fahrt dauert eineinhalb Stunden, Mit den Schulbussen ist sie nicht viel kürzer - Staus eben. Ich bin entsetzt, wie ungepflegt und verwahrlost die Tiere dort hausen!
Am Ausflugstag ist es endlich soweit. Wir steigen in unsere Schulbusse und fahren los.



Gleich wird gegessen, getrunken, geschwätzt – wie es auf einen Ausflug halt immer so ist. Plötzlich hält ein kleiner Schüler inne, schaut mich lange an und meint dann: „Frau Grollmann, du musst dein Tuch aufsetzen!“ Daran hatte ich natürlich nicht gedacht, als wir vom Campus losfuhren, denn da ist ja ein Stück Deutschland.



Als wir endlich im Zoo sind, müssen wir erst einmal die Tickets lösen und ich bin froh, dass mein Kollege Farsi kann, denn die Damen an der Kasse können kein Englisch. In der Zwischenzeit haben manche Kinder den einzigen Süßigkeitenkiosk entdeckt und sich gleich mal Zuckerwatte gekauft. Dass man davon Durst und klebrige Münder und Hände bekommt, interessiert sie wenig.



Am Eingang zum Zoo herrscht ziemliches Gewusel, denn viele Klassen machen einen Ausflug und immer wieder zählen wir unsere Kinder ab. Plötzlich merke ich wie jemand an meinem Rücken an meiner Jacke zippelt. Ich drehe mich um und sehe eine Einheimische, die meine lange Jacke zurecht zieht, die durch das Sitzen im Bus hochgerutscht war. Sie entschuldigt sich, lacht und geht. Alles muss halt seine Ordnung haben…





Im Zoo teilen wir die Kinder in Gruppen auf und jeder der drei Kollegen übernimmt sieben Schüler, das ist eine überschaubare Zahl und wir machen uns auf den Weg. Die Kinder haben viel Spaß, das Quiz zu lösen und merken anscheinend nichts von dem traurigen Dasein der Tiere. Während unsere Kinder selbstständig in Grüppchen herumgehen, halten sich die einheimischen Kinder am Rucksack des Vorderkindes. Ich liebe unsere Kleinen!











Nach eineinhalb Stunden treffen wir uns wieder bei den Bussen und nehmen unsere Vespertüten, die uns die Mensa gerichtet hat. Auf der Fahrt zurück gibt es viel zu erzählen. Wir kommen zügig voran, weil der Stau um die Mittagszeit nun auf der Gegenspur ist. Die Leute fahren um die Mittagszeit nach draußen aus der Stadt heraus.












STUDIO
Ich bin ja ständig auf der Suche nach leichten Jacken und Mänteln und komme so ins Gespräch mit der Mutter einer Schülerin. Sie nimmt mich eines Tages mit in das Studio einer Freundin. Dort bin ich für einen Nachmittag sowas wie ein Model. Die Kollektion ist wunderschön - die Sachen sind aus leichter Baumwolle, Leinen und Seide. Und ich glaube, ich werde mir ein Teil davon kaufen.












WAHLKAMF
Von der Wahl habe ich hier im nördlichen Stadtteil von Teheran erst in der letzten Woche aktiv etwas mitbekommen. Zwar wurden die Straßen mit Plakaten und Schildern aber auch die Gehwege mit Flyern zugepflastert. Oft fuhren auch junge Leute mit ihren offenen Autos durch die Straßen und trugen am Handgelenk die sichtbaren Zeichen ihres Kandidaten Rohani – grüne und lila Bändchen. Auch im Kollegium wurde man immer zuversichtlicher. Aber wie lange eine sichtbare Veränderung vor allem bei den Rechten der Frauen dauert, bleibt abzuwarten. Ich wünsche ihnen, dass sie bald so frei und offen leben können wie ich. Meine Zeit hier ist ja begrenzt und deshalb leichter auszuhalten.












SICHER IST SICHER
Eigentlich habe ich nicht den Eindruck, dass man hier gefährlich lebt. Aber oft habe ich schon in den Autos dieses Lenkradschloss gesehen - sicher ist sicher.



Auch der Eingang unserer Schule ist abgesichert. Die Außenpforte wird von einem Wachmann geöffnet, anschließend geht man durch eine Schleuse und legt seinen Ausweis auf den Scanner. Jeder, der das Gelände betritt, muss da durch.








FAHRRAD (Klappe, die zweite)



Immer wieder entdecke ich auf dem Weg durch die Stadt Fahrräder – entweder im Zweiradladen, auf dem Dach eines Autos oder im Schaufenster eines Cafés.









Eines Morgens fahren an mir zwei Radlerinnen vorbei, begleitet von einem Motorradfahrer – vielleicht, um sie vor dem nachfolgenden Verkehr zu schützen.








DATUM, VOKABELN, GELD
In den letzten Wochen sehe ich im Vorbeifahren auf dem Highway immer das Plakat von Iranconcert. Ich fotografiere es und gehe mal auf deren Internetseite.



Was mich zunächst frustriert ist die Tatsache, dass nichts auf Englisch draufsteht.



Aber warum gibt es denn den Google-Übersetzer! Und so weiß ich nun, worum es geht.



Vor allem auch, was das Datum angeht.
Wenn unser Jahr am 1.1. beginnt, so fängt es hier im Iran am 20. März an (Nowrouz). Ab diesem Zeitpunkt wird gezählt.
Wenn wir also Freitag, 19.5.2017 lesen, so ist das hier im Iran Freitag, 1396-3-29.
29 Tage und drei Monate nach dem 20. März und 1396 Jahre nach der Geburt des Propheten Muhammad von Mekka.



Eigentlich ist das nicht so schwer, wenn man nur nicht immer wieder rechnen muss, wenn es zum Beispiel um das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln geht.



Was die Ziffern anbelangt, so sind die mir schnell geläufig gewesen, weil ich die Autokennzeichen der Snapp-Taxis ja lesen können muss.

In der Wohnung habe ich mir Gedächtnishilfen aufgehängt, auf die ich immer schauen muss, wenn ich am PC arbeite. Wie man das halt so macht.



Und auch in der Geldbörse und am PC habe ich meine Merkhilfen, vor allem, wenn mir nicht klar ist, ob man in Rial oder Toman bezahlt.




INTERNET (Klappe, die zweite)
In den letzten Wochen brach das Internet immer häufiger zusammen. Obwohl ich einen VPN-Server installiert habe, ist der auch nicht immer stabil. Er umgeht den hiesigen Browser und lässt mich (manchmal) auf Seiten gehen, die ansonsten gesperrt sind (wie Facebook, PayPal oder auch 4Teachers.de und Grundschulmaterial.de)







Ärgerlich ist es genau dann, wenn ich wichtige Updates für meinen PC herunterladen muss und die Verbindung plötzlich gekappt wird und der Bildschirm schwarz wird – wie bei der Übertragung einer ZDF-Mediathek-Sendung (Auslandsjournal über die Wahlen im Iran). Hier fragt man sich dann sofort – ist das Zufall?....

(letzter Eintrag Samstag, 20.5.2017)

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