Samstag, 24. März 2018
Unsere gemeinsame Zeit in Iran (11)
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Nun bin ich schon über ein Jahr in Iran und habe es noch nie bereut! Nach wie vor ist die Stadt faszinierend, geheimnisvoll und voller Leben. Natürlich könnte ich das auch von jeder Millionenstadt in anderen Teilen der Welt sagen. Vielleicht später ...

Jetzt bin ich hier und genieße das Abenteuer zusammen mit Beda jeden Tag aufs Neue. Und wir nehmen alles mit!
Nicht zuletzt meinen Skiunfall mit allem was dazu gehört - Hospital, Operationen, Physiotherapie, Rollstuhl, Krücken, Hilfe annehmen lernen, Gehen lernen ...
Wir haben in jener Zeit so viel kennen gelernt, was wir vielleicht so nie gesehen hätten z.B. wunderschöne Parks mit den vielen Kunstwerken...























... oder aber die Hilfsbereitschaft von anderen Menschen, wenn sie uns mit dem Rollstuhl sahen.
Zwischenzeitlich gehe ich wieder ohne Krücke, was nicht zuletzt meiner phantastischen Physiotherapeutin zu verdanken ist. Allerdings fällt mir das Treppensteigen noch schwer und an Wanderungen z.B. im Gebirge ist noch nicht wieder zu denken.



Aber ich bin ziemlich bald schon wieder meiner eigentlichen Beschäftigung nachgegangen, sonst wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen.


NASSE ZEITEN

Nach Ostern beginnt so langsam die Schneeschmelze. Endlich bekommt Teheran wieder mehr Wasser, was die Bewohner auch sehnlichst brauchen. Ich nicht, denn mit meinem Spezialschuh, der vorne offen ist, komme ich ewig mit Pfützen in Berührung, so dass der Innenschuh schnell schmutzig wird. So ziehe ich mir in diesen nassen Zeiten einfach eine Plastiktüte vorne über den Schuh.






REISE IN DIE PROVINZ SEMNAN

Im April findet die diesjährige Gemeindereise statt und führt uns in die Provinz Semnan (es ist die Heimat des Präsidenten Rouhani) östlich von Teheran.



Wir brechen zu der dreitägigen Wochenendreise nachmittags auf und erreichen nach etwa drei Stunden Busfahrt unser erstes Ziel, die ehemalige Karawanserei in Deh-e Namak am Rande der Wüste Kavir.





















Das Gebäude dient seit dem vergangenen Jahr wieder als Restaurationsbetrieb mit Unterkunft. Es gibt dort vornehmlich Schlafmatten, aber auch einige Matratzen in Bettgestellen, die wir bekommen wegen meiner Fußgeschichte. Am nächsten Morgen – Beda beobachtet den Sonnenaufgang vom Dach aus – fahren wir nach Damghan, wo wir u.a. die älteste Moschee Irans aus der Zeit um 760, sowie das Imamzadeh-ye Jafar und den Grabturm Chehel Dokhtaran (beide 11. Jh.) besichtigen. In Damghan übernachten wir in einem Hotel.













Der Toilettenstuhl ist ein wichtiges Utensil auf dieser Fahrt - er wird einfach auf das iranische Klo gestellt, so dass wir Frauen uns nicht so tief bücken müssen.



Der letzte Tag führt uns in die Provinzhauptstadt Semnan mit zwei sehr sehenswerten Moscheen, einem ehemaligen Badehaus und einem Basar, der eine gelassen-betriebsame Atmosphäre ausstrahlt.













Während die Männer ein ehemaliges Badehaus von innen besichtigen, haben wir Damen draußen unseren Spaß.





Das Mittagessen nehmen wir in einem Teehaus ein.














CHITGAR LAKE

In der Osterzeit fuhren wir mit dem Snapp-Taxi zum ca. 25 km entfernten Chitgar Lake, ein Naherholungsgebiet westlich von Teheran, eingebettet von Hochhäusern am Fuße der Berge.



Hier treffen sich die Familien am Freitag, dem einzigen freien Tag in der Woche, und erholen sich beim Radfahren (!) und picknicken, oder sie vergnügen sich im Freizeitpark, gehen ins Restaurant oder shoppen.















Leider darf man nicht baden, nur die Füße ins Wasser halten ist erlaubt (wenn’s keiner sieht).



Beda schob mich im Rollstuhl auf dem geteerten Weg die 7 km rund um den See.




VOGELPARK

Im Norden von Teheran liegt an einem Hügel der Bird Garden. Entlang an Volieren und Käfigen wandert man von oben durch den Park und kommt am Ende zu einem wunderschönen See. Von dort wird man von einem Shuttlebus wieder hinauf zum Parkplatz gebracht (wenn man will, kann man natürlich alles wieder zurückwandern;) Toller Service!
















INTERNATIONALE AUTOMOBILAUSSTELLUNG

Eines Tages traue ich meinen Augen nicht, als ich mit dem Snapp-Taxi unterwegs bin und teure Schlitten uns überholen, eskortiert von der Polizei! Keiner durfte überholen, so dass der normale kilometerlange Stau noch länger wurde. Aber die Iraner sind ein Auto-verrücktes/verliebtes Volk und nahmen es gelassen hin.














NADERI CAFE

Mit unserem österreichischen Besuch treffen wir uns im ältesten Caféhaus Teherans, das Naderi Café. Hier weilten vor über 60 Jahren schon namhafte Sänger, Schauspieler - Künstler eben. Es ist ein Muss, sich vor der Künstlerwand fotografieren zu lassen...






ECO RESSORT MATIN ABAD

Mit meinen Kollegen fahre ich an einem Wochenende in die Wüste, ins 500 km entfernte Eco-Ressort Matin Abad. (http://matinabad.com/en/) Da ich immer noch ein wenig behindert bin, darf ich im Hotelzimmer schlafen, die anderen bewohnen Schlafzelte.




























JAZZ KONZERT MIT CYMINOLOGIE

Im Iran könnte die 35-Jährige ihren Beruf nicht ausüben. Hier trat Cymin Samawatie mit ihrer Band Cyminology in einem Gastspiel auf. Begleitet wurde die Gruppe von Ralf Schwarz, Kontrabassist bei den Berliner Philharmonikern. Beda kaufte sich gleich eine CD.






BAKU IN ASERBAIDJAN

Anfang Juni haben wir wieder einmal ein verlängertes Wochenende aufgrund von religiösen Feiertagen. Wir fliegen nach Baku am Kaspischen Meer und genießen drei Tage lang die Hauptstadt von Aserbaidjan.




























FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT

Anfangs ist die Euphorie noch groß, als wir uns beim Public Viewing das Spiel Iran gegen Marokko anschauen.









Viele Iraner sind natürlich enttäuscht, dass ihre Mannschaft aus dem Wettbewerb geflogen ist. Doch von allen Seiten hört man auch, wie gut sie sich geschlagen haben. Und die deutsche Mannschaft?


THEATER "Adel verpachtet"

Eigentlich wollte ich mir in diesem Jahr mal keinen Stress machen mit Rollenstudium. Aber es lässt mich nicht los - das Theater.



Und so bin ich auf der Bühne eine verarmte Gräfin mit einem jugendlichen Liebhaber, der sich als Heiratsschwindler entpuppt. Eine Verwechslungskomödie, die es in sich hat.
Und weil Beda mich zwischenzeitlich mit dem Rollstuhl zu den Proben fährt und zwangsläufig immer mit dabei ist, bekommt er auch gleich eine wichtige Aufgabe zugeteilt - er wird unser Souffleur!



meine Ahnengalerie...


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HIER ENDET MEIN BLOG

Über 15 Monate habe ich ein Land kennen gelernt, von dem ich nur etwas aus den Medien kannte, nämlich so gut wie gar nichts.
Jetzt hat Iran für mich ein Gesicht bekommen. Ich werde in der kommenden Zeit weiter darin zu lesen versuchen. Ganz erschließen wird es sich für mich nie, dafür ist es mir nach wie vor fremd. Die Schriftzeichen habe ich schreiben und lesen gelernt, doch fehlen mir die Vokabeln, um zu wissen, was gemeint ist. Mit 'angelesi' kommen wir gut zurecht, sofern unser Gegenüber Englisch versteht. Sobald die Einheimischen erfahren, dass wir 'almani' sind, freuen sie sich und heißen uns willkommen.
Ganz besonders am Herzen liegt mir die Stellung der Frauen in der Gesellschaft. Innerhalb der Familie sollen sie das Sagen haben. Von oben wird ihnen nach wie vor vorgeschrieben, wie sie sich zu kleiden haben. Gerade jetzt im Hochsommer fällt es mir schwer, mich einzuhüllen und ein Kopftuch zu tragen. Aber es freut mich auch zu sehen, wie nach und nach diese Kopftuchpflicht aufweicht und vor allem junge Frauen das Tuch einfach hinten liegen lassen, wenn es ihnen heruntergerutscht ist.
Vielleicht erleben wir ja noch eine Änderung, doch hoffentlich nicht mit Unruhen oder gewalttätigen Demonstrationen verbunden.