Freitag, 23. Juni 2017
Meine ersten Wochen in Teheran (5)




Bevor mein Blog mit mir in die Sommerpause geht, möchte ich hier doch noch ein paar abschließende Gedanken zu diesem tollen Land loswerden.

Ich bin froh, dass ich die Chance bekam, in das uns so unbekannte Land zu fahren, dort auch zu wohnen und zu arbeiten. So bekam ich den Alltag der Teheraner mit, lernte ihre Hilfsbereitschaft kennen und schätzen und bin dafür sehr dankbar. Ihre Wissbegierde meinem Land gegenüber zeigte mir, wie wenig auch sie von uns kennen. Ausgenommen sind natürlich diejenigen, die in Deutschland aufgewachsen sind und jetzt 'freiwillig' in einem Land leben, wo z.B. die Rechte der Frauen noch immer von Männern gemacht werden und sie das hinnehmen (müssen). Aber ich denke, dass sich in den nächsten Jahr(zehnt)en etwas ändern wird. Man muss nur Geduld haben....
Hier leben Menschen wie in Paris, Rom Stockholm, Athen und Berlin - in Backsteinhäusern und mit z.T. sehr teuren Autos. Sie waren zu mir immer freundlich (Altersbonus?), und sobald sie merkten, dass ich Ausländerin bin, sprachen sie, wenn auch manchmal gebrochen, Englisch. Aber sie zeigten mir, dass sie interessiert sind. Und nie fühlte ich mich irgendwie dumm angemacht oder hätte Angst haben müssen, wenn ich allein durch die Straßen zog.

KLEIDUNGSFRAGEN
Ich musste mich natürlich dem Leben hier im Iran anpassen. Es fing schon mit der Kleidung an. Hier bin ich noch am Ausprobieren, was geht und was nicht. Aber in der Großstadt sieht man das lockerer als in der Provinz (ich denke da an den Flughafen von Bushehr) und so mache ich auch weiter.

























SCHUHE DURCHGELAUFEN!
In meinem Leben bin ich noch nie so viel und oft von der Schule zu Fuß nach Hause gegangen wie hier, denn meistens fuhr ich ja in Deutschland mit dem Fahrrad zur Schule oder nahm das Auto. Weil es hier erst seit ungefähr 10 Jahren eine Metro gibt, konnten noch nicht alle Stadtteile damit erreicht werden und so musste ich von meiner nächsten Metrostation 35-40 Minuten zu Fuß gehen, da es zu meinem Apartment auch keine Busverbindung gibt. So bin ich eine Stunde unterwegs gewesen, bis ich nachmittags bzw. abends zu Hause war. Ich habe mir sogar die Schuhe durchgelaufen!!!
Nach den Sommerferien werde ich in eine größere Wohnung umziehen, die näher bei der Schule liegt und ich dann nur noch 20 min Gehminuten habe.







RIAL - TOMAN?
Man muss das Portemonnaie immer voller Geldscheine verschiedenster Geldbeträge haben! Anfangs kam ich damit ja überhaupt nicht zurecht, denn einen 100.000 Rial-Schein trägt man nicht offen mit sich rum (dachte ich), weil man mit so viel Geld vorsichtig sein muss. Bis mir klar wurde, dass es kaum Münzgeld gibt und diese 100.000 Rial umgerechnet 2,50 € sind. Die Iraner zücken immer ein ganzes Bündel Scheine und zählen dann offen das Geld ab. Und häufig konnte ein Snapp-Taxi-Fahrer auf die 100.000 Rial, die ich ihm hingegeben habe, nicht rausgeben, wenn die Fahrt 85.000 Rial gekostet (ca. 2 €) hat. Dann habe ich ihm das Restgeld geschenkt.
Und zu all dem kommt noch die andere Währung - Toman. Manchmal müssen die Einheimischen selbst noch nachrechnen, obwohl es eigentlich ganz einfach ist - man muss nur eine Null am Ende bei dem Rialbetrag wegstreichen. Und dann ist das Durcheinander komplett, wenn manche Kassen den Rialbetrag und andere den Tomanbetrag anzeigen. Da zahlt der Iraner dann lieber mit seiner Scheckkarte, das Passwort bzw. der Zifferncode wird dabei ganz offen an der Kasse gesagt und jeder kann mithören.

FUßGÄNGER
Als Fußgänger hast du im Iran schlechte Karten. Man hat hier zwar Zebrastreifen auf die Straße gemalt, aber die Autofahrer übersehen sie und dich! Du musst hier schon dein Recht auf Überquerung der Straße einfordern, indem du mutig auf die Fahrbahn trittst und Blickkontakt mit den Autofahrern aufnimmst. Sie fahren meistens sowieso nur so schnell, dass sie ggf. noch bremsen können, bevor es zu spät ist. Aber Herzklopfen habe ich nach wie vor. Und auf dem Bürgersteig musst du mit Radfahrern oder auch mit Motorrädern rechnen! Selbst an Straßenkreuzungen parken die Autos im Bereich der Fußgängerüberquerung. Unsere 5 m-Regel kennen sie nicht.











MOTORRADFAHRER
Die Motorradfahrer sind unberechenbar. Sie überholen rechts und links, witschen schnell noch durch eine Lücke in der Autoschlange und fahren oft Millimeter entfernt an den Autos vorbei. Ich mag sie nicht!
An etwas werde ich mich wohl nie gewöhnen, und das ist der permanente Verkehrsfluss und die damit vorhandenen Abgase bzw. Drecksspuren in der Wohnung.





















PLASTIKTÜTEN
Ein für mich großes Problem, gegen das ich ankämpfe, ist nicht unbedingt die Hitze, es ist der Plastikmüll!. Alles wird im Supermarkt in Plastiktüten jeglicher Größe gepackt und so kommt man durchaus mit 4-5 Plastikbeuteln raus, wenn man viel eingekauft hat. Da ich jedoch immer meinen Einkaufsbeutel aus Stoff mitnehme und meinen Einkauf darin verpacke, outete ich mich gleich als Nichteinheimische, wenn man es bis dahin noch nicht gemerkt hat.

SCHÖNHEITSIDEALE
Kaum eine Iranerin geht mit grauen Haaren auf die Straße - das ist ein Zeichen von Alter und entspricht nicht dem Schönheitsideal.
Mir macht es Spaß, meine kurzen grauen Haare zu zeigen, auch wenn ich mir manchmal längere Haare wünschte. Damit das Tuch auf dem Kopf hält, haben viele Iranerinnen einen Knoten oder hochgebundene Haare, auf denen dann das Tuch liegen kann und durchaus auch mal fast bis im Nacken hängt. Ich gehe oft verkrampft durch die Straßen, immer darauf bedacht, das Tuch oben zu halten, vor allem, wenn es windig ist. Klämmerchen würden bei dem kurzen Haar auch nichts nützen, deshalb setze ich oft meine Brille auf den Kopf, um das Tuch zu fixieren.
Ein anderes Schönheitsideal ist übrigens die begradigte Nase, und die nicht nur bei Frauen!





Dieses Foto habe ich in der Metro aufgenommen, so laufen die Frauen, und manchmal auch Männer, hier herum - stolz!

UMWELTPROJEKT
In der Schule haben wir vor kurzem ein Umweltprojekt gestartet und erreicht, dass gelbe Tonnen auf dem Gelände und in den Klassen aufgestellt werden und dass in der Mensa die Getränke nicht mehr in den Einmalplastikbechern ausgegeben werden, sondern in bunten Bechern. Die sind zwar auch aus Plastik, aber können gespült und mehrmals verwendet werden. Außerdem muss jedes Kind eine eigene Trinkflasche mitbringen, die es an den Wasserspendern, die überall auf dem Gelände stehen, füllen kann. Selbst ich habe mir eine Flasche 'My Bottle' zugelegt.
Zu Hause schmeckt mein Wasser richtig nach Chlor, so dass ich mir deshalb jeden zweiten Tag mein Wasser im Six-Pack aus dem Laden holen muss.

















UMWELTBEWUSSTSEIN
Zu dem Plastikmüll kommt hier noch die Haltung vieler Iraner zu ihrer Umwelt. Manchmal denke ich - sie haben (noch) kein Umweltbewusstsein. Das macht sich auch in der Schule bemerkbar, wenn nachmittags alle weg sind, wie gedankenlos z.B. die Chipstüten auf den Sportplatz geworfen wurden. Und es stehen überall Mülltonnen! Umwelt-Initiativen werden ganz langsam aktiv. Mir hat eine Umweltschützerin erzählt, dass man bewusst die Tüten mit noch verwertbaren Sachen neben die Container stellt, dass die Armen nicht den stinkenden Container durchwühlen müssen. Brot- und Pizzareste liegen oder hängen auch daneben.













SMOG UND ABGASE
An etwas werde ich mich bestimmt nie gewöhnen können, und das ist der permanente Verkehrsfluss. Damit einher gehen natürlich die Abgase und der tägliche Dreck in der Wohnung. Morgens um 7 kann man schon die Dunstglocke von meinem Zimmer aus über der Stadt erkennen.









FRAUENSCHWIMMBAD
Hier gibt es übrigens nicht nur einen Frauenpark, sondern auch ein Schwimmbad NUR FÜR FRAUEN! Ich war vor kurzem mit einer Kollegin dort und war froh, mich wieder einmal körperlich betätigen zu können. Das Freibad (aus den 50er Jahren) ist komplett von einem hohen Zaun umgeben und die Bahnen sind 33 m lang (engl. Maß). Das Gute war, dass man sein Handy an der Kasse abgeben musste! Und man musste eine Badekappe tragen und Badelatschen, barfuß laufen ging gar nicht. Dafür bekam man Badelatschen, die man selbst unter der Dusche anhaben musste, denn es wurde sehr genau darauf geachtet, dass man vor der Berührung mit dem Beckenwasser duschte, und zwar mit Seife.





(Die Straßenbezeichnung hilft mir, in GoogleMaps den Ort wiederzufinden).
Das Bad war in der Ramadanzeit kaum besucht, was sich demnächst bestimmt ändern wird, denn Ramadan geht jetzt zu Ende. Wir haben in der Schule übrigens wieder davon profitieren können, denn hier wird zwei Tage lang gefeiert.

MAJOLIKA
Was mir besonders gut gefiel, sind die zahlreichen Muster und Verzierungen, von denen ich hier nur eine kleine Auswahl zeigen kann.

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